SPNV-Qualitätsbericht

Veröffentlicht am 01.07.2021

Der Qualitätsbericht zum Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen erscheint jedes Jahr. So lassen sich Qualitätsverbesserungen objektiv nachverfolgen.

Der SPNV-​Qualitätsbericht wertet jährlich aus, wie sich das Qualitätsniveau im Nahverkehr auf der Schiene entwickelt hat. Der Qualitätsbericht gibt Auskunft, ob definierte Standards – z. B. bei Service und Sicherheit – eingehalten wurden oder ob neu eingeführte Maßnahmen erfolgreich waren. Inhaltlich liegen dem Qualitätsbericht größtenteils objektiv messbare Daten zugrunde. Dazu zählen beispielsweise die Pünktlichkeit oder Zugausfälle. Diese Werte ergeben sich aus den Liefernachweisen der Eisenbahnverkehrsunternehmen. Der Qualitätsbericht weist auch aus, wie es um die Leistungsfähigkeit der Eisenbahninfrastruktur in NRW steht.

Der aktuelle SPNV-Qualitätsbericht 2020 ist hier zum Download verfügbar.

Ergänzt wird das Informationsangebot über die Qualität im SPNV in NRW durch das Online-Tool „SPNV-Qualitätsmonitor NRW".

Ausgangslage


In dem jährlichen SPNV-​Qualitätsbericht werden die qualitätsrelevanten Daten der SPNV-Aufgabenträger in NRW zusammengefasst dargestellt und ausgewertet. Der erste landesweite Qualitätsbericht beschreibt das Qualitätsniveau des Jahres 2004. Die seit 2011 erschienenen Qualitätsberichte stehen auf der Internetseite des Kompetenzcenters Integraler Taktfahrplan NRW (KC ITF) zur Verfügung

Der landesweite Qualitätsbericht beschränkt sich bei der vergleichenden Darstellung der Betriebsqualität notwendigerweise auf die Dokumentation von Pünktlichkeit und Zugausfällen, da die Datengrundlage in den einzelnen Räumen aufgrund unterschiedlicher Regelungen in den Verkehrsverträgen zwischen SPNV-Aufgabenträgern und den Eisenbahnverkehrsunternehmen sehr heterogen ist. Beispielsweise liegen die Toleranzwerte für die Pünktlichkeit je nach Verkehrsvertrag zwischen 0 und 5 Minuten. Seit dem Qualitätsbericht 2009 bleiben die vertraglich vereinbarten Toleranzzeiten unberücksichtigt. Stattdessen wird für alle Linien eine einheitliche Toleranzzeit von 3:59 Minuten angesetzt. Damit sind die Pünktlichkeitsquoten der einzelnen Linien miteinander vergleichbar.

Die Corona-Pandemie hat den SPNV in 2020 stark beeinflusst. Insbesondere Homeoffice, Kurzarbeit und eingeschränkter bzw. stillgelegter Schul- und Hochschulbetrieb haben das Mobilitätsverhalten der Menschen gravierend verändert. So ist die SPNV-Nachfrage im Vergleich zu den Vorjahren massiv eingebrochen.

Folgende Aussagen trifft der SPNV-Qualitätsbericht zur Betriebsqualität im Jahr 2020:

  • Pünktlichkeit: Die Reduzierung des SPNV-Angebots im 1. Lockdown sowie eine teils reduzierte Trassennachfrage im Güter- und Fernverkehr bewirkten eine Entspannung der Streckenauslastung. Dies führte zu einem generellen Abbau von Verspätungsrisiken sowie zu einer Verringerung von Verspätungsübertragungen auf andere Linien. Ein geringeres Fahrgastaufkommen führt gerade bei nachfragestarken Linien zu kürzeren Fahrgastwechselzeiten an den Stationen und schafft somit Fahrzeitpuffer, die zu einem pünktlicheren Betrieb beitragen.

    Die durchschnittliche Pünktlichkeitsquote aller in NRW verkehrenden Linien erhöhte sich 2020 auf 86,8% gegenüber 84,8% im Jahr 2019.

    Die Pünktlichkeitsquote der RE-​Linien ist auf 84,3 % im Jahr 2020 gestiegen (2019: 80 %, 2018: 78,2 %, 2017: 81,3 %). Die RE-Linien weisen damit im Vergleich zu den anderen Produktgruppen RB und S-Bahn die niedrigste Pünktlichkeitsquote auf. Sie erreichen aber mit einer Steigerung von 4,3 Prozentpunkten den größten Qualitätszuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Neben den Corona-bedingten Einflüssen bewirkte der Anstieg der Pünktlichkeitsquote der Linien im RRX-Vorlaufbetrieb einen höheren Durchschnittswert. Durch den Einsatz der neuen RRX-Fahrzeuge konnte die Zuverlässigkeit signifikant erhöht werden.

    Am pünktlichsten waren 2020 in NRW die RB-​Linien. Mit 88,5 % ist die Pünktlichkeitsquote leicht gestiegen im Vergleich mit den Vorjahren (2019: 86,2 %, 2018: 85,5 %, 2017: 87,2 %).

    Bei den S-​Bahnen ist im Jahr 2020 eine leicht negative Entwicklung festzustellen. Die Pünktlichkeitsquote der S-​Bahn-Linien (Rhein-​Ruhr/Köln) beträgt 88,2 % in 2020 (2019: 90,8 %, 2018: 89,6 %, 2017: 90,9 %). Aufgrund einer in weiten Abschnitten separaten Infrastruktur konnten die S-Bahnen in NRW kaum von einer gesunkenen Streckenauslastung profitieren. Bei den 14 nordrhein-westfälischen S-Bahnen wirken sich Veränderungen einzelner Linien stärker auf den Durchschnittswert aus. So führten schlechte Pünktlichkeitsquoten einzelner Linien zu einem schlechteren Gesamtwert in der Produktgruppe S-Bahn im Vergleich mit den Vorjahren.

  • Zuverlässigkeit: Seit dem SPNV-​Qualitätsbericht 2007 werden neben den nicht vorhersehbaren Zugausfällen auch die vorhersehbaren Zugausfälle dokumentiert. Diese Herangehensweise folgt der Auffassung, dass auch planmäßige Ausfälle, die rechtzeitig vor Fahrtantritt kommuniziert werden, (z. B. Schienenersatzverkehr wegen Bauarbeiten) zu Qualitätseinbußen führen (zusätzlicher Umstieg, verlängerte Fahrzeit, Komforteinbußen). Die vorhersehbaren Zugausfälle sind 2020 aufgrund des Corona-Grundfahrplans im 1. Lockdown im Vergleich zum Vorher-Zustand deutlich angestiegen und deshalb nur eingeschränkt mit den Werten der Vorjahre zu vergleichen.

    Etwa 13,1 Mio. Zugkilometer sind im Jahr 2020 in NRW ausgefallen. Bei einem gesamten Zugkilometer-​Volumen von rund 115 Mio. entspricht dies rund 11,4 %.

    Die vorhersehbaren Zugausfälle stiegen auf 10,7 Mio. Zug-km im Jahr 2020 (2019: 3,9 Mio. Zug-km, 2018: ca. 3,5 Mio. Zug-​km, 2017: ca. 2,1 Mio. Zug-​km). In den letzten Jahren war bereits ein Anstieg aufgrund eines wachsenden Bauvolumens festzustellen. Der starke Anstieg 2020 begründet sich jedoch hauptsächlich durch den Grundfahrplan im 1. Lockdown. Das SPNV-Angebot wurde im März und April 2020 vorübergehend um etwa 50% reduziert.  Zusätzlich verursachte der Brand eines Tanklasters auf der A40 unterhalb einer Eisenbahnbrücke in Mülheim-Styrum so schwere Schäden an einer Brücke, dass es bei mehreren Linien über einen längeren Zeitraum zu Zugausfällen und Schienenersatzverkehr kam.

    Die nicht vorhersehbaren Ausfälle blieben mit 2,4 Mio. Zkm etwa auf dem Niveau des Vorjahres (2019: 2,5 Mio. Zug-km, 2018: 2,4 Mio. Zug-​km). Bezogen auf das Gesamtzugangebot ergibt sich eine Zuverlässigkeitsquote von 97,8 % und damit eine leichte Verbesserung gegenüber den beiden Vorjahren. Wesentliche Gründe für nicht vorhersehbare Zugausfälle bleiben der Mangel an Betriebspersonal und Störungen an den Fahrzeugen. Weitere Ursachen können durch Störungen der Infrastruktur oder hohe Verspätungen begründet sein. Vereinzelt kamen in 2020 noch Streiks hinzu.

Neben der Betriebsqualität wird im SPNV-Qualitätsbericht auch die landesweite Infrastrukturqualität erfasst.

  • Schienennetz:  Um eine umfassende Datengrundlage zur Leistungsfähigkeit der Eisenbahn-​Infrastruktur in NRW zu erhalten, wird seit 2009 der Zustand des SPNV-​Netzes anhand des „Verzeichnisses der örtlich zulässigen Geschwindigkeiten (VzG)“ sowie der „Verzeichnisse der Langsamfahrstellen (La-​Verzeichnis)“ der Infrastrukturbetreiber analysiert. Seit 2010 sind die Ergebnisse im SPNV-​Qualitätsbericht dokumentiert. Im Durchschnitt verursachten 2020 pro Monat rd. 62 La-​Stellen auf einer Länge von rd. 98 km eine Reduzierung der örtlich zulässigen Geschwindigkeit. Diese Werte liegen deutlich unter den Zahlen der letzten beiden Jahre (2019: 81 La-​Stellen mit einer Länge von ca. 126 km, 2018: 84 La-​Stellen mit einer Länge von ca. 121 km). Insbesondere im 1. Halbjahr war 2020 ein starker Rückgang der baustellenbedingten Einschränkungen festzustellen. Auch die Geschwindigkeitseinbrüche durch Mängel an der Infrastruktur sind leicht rückläufig. 

  • Verkehrsstationen:  Neben dem Zustand des Schienennetzes ist im Jahr 2020 – wie in den Vorjahren auch – das Erscheinungsbild der Verkehrsstationen hinsichtlich der Kriterien Funktion, Sauberkeit und Graffiti erhoben und bewertet worden. Die Gewichtung und Ausgestaltung der Bewertungskriterien steht jedem Aufgabenträger frei, um damit eigene Schwerpunkte berücksichtigen zu können. Bislang ist stets ein landesweiter Überblick über die Stationsqualität möglich gewesen. Durch ein 2020 im Raum Rhein-Ruhr (VRR) neu eingeführtes Bewertungssystem ist dies nun nicht mehr möglich. Daher wird die Stationsqualität im SPNV-Qualitätsbericht einzeln nach den Ergebnissen der Aufgabenträger dargestellt. Im Raum Westfalen (NWL) bleibt die Stationsqualität gegenüber den Vorjahren etwa auf gleichem Niveau. Im Rheinland (NVR) ist eine Verschlechterung festzustellen. Im VRR lassen sich aufgrund des neuen Bewertungssystems keine Vergleiche zu den Vorjahren anstellen. Detaillierte  Informationen hierzu stehen in den Stationsberichten der drei Aufgabenträger.

Weiterhin informiert der landesweite Qualitätsbericht 2020 über die Organisation des SPNV in NRW, das Leistungsangebot, die tätigen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und in Ausschreibungsverfahren vergebene SPNV-​Netze. Außerdem gibt er weitere Einblicke zur Qualität im SPNV in NRW wie z. B.

  • Überlastete Schienenwege (ÜLS): 7 der insgesamt 21 in Deutschland als überlastet angemeldeten Schienenstrecken betreffen NRW. Rund 5 % des vom SPNV genutzten Streckennetzes in NRW sind als ÜLS ausgewiesen, dies sind vor allem die Hauptstrecken in den Ballungsräumen. Insgesamt sind 29 Nahverkehrslinien direkt von ÜLS betroffen. 

  • Kundenbarometer: Im 2-Jahres-Rhythmus wird in NRW die Kundenzufriedenheit erhoben. Es zeigt sich, dass die durchschnittliche Globalzufriedenheit 2020 gegenüber 2018 deutlich gestiegen ist. Berücksichtigt werden muss hierbei, dass seit Pandemiebeginn deutlich weniger Fahrgäste unterwegs sind, weswegen viele Leistungsaspekte von den Kund*innen, die auch weiterhin den SPNV nutzen, positiver als früher erlebt werden (z. B. lässt sich ein Anschluss besser erreichen, wenn weniger Gedränge vorhanden ist).

Akteure


Das Land NRW hat im Jahr 2004 die Erstellung eines jährlichen Qualitätsberichts für den SPNV in NRW initiiert und unterstützt seitdem dessen Erstellung.

Seit 2011 ist das Kompetenzcenter ITF NRW, angesiedelt beim NWL am Standort Bielefeld, mit der Erstellung des SPNV-Qualitätsberichtes NRW betraut. Die in den letzten Jahren erschienenen Qualitätsberichte stehen auf der Internetseite des KC ITF zur Verfügung (Qualitätsberichte SPNV NRW).

Die SPNV-Aufgabenträger VRR, NVR und NWL veröffentlichen für ihr Verbandsgebiet regionale Berichte zur SPNV-Qualität, die teilweise eine weitergehende Differenzierung aufweisen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Berücksichtigung "weicher" Kriterien, die durch „Profitester“ und Kundenzufriedenheitsuntersuchungen erhoben werden, die die Qualität der Fahrgastinformation, den Zustand der Fahrzeuge, das Zugbegleitpersonal und die Situation an den Bahnhöfen betreffen.

Probleme und Aufgaben


NRW ist noch entfernt von zufriedenstellenden Pünktlichkeitswerten (Zielmarke: 95% und besser). Fest verankerte Qualitätsstandards der Verkehrsverträge, die Pönalen (Vertragsstrafen) bewehrt sind, haben in den vergangenen Jahren jedoch wesentlich dazu beigetragen, das Qualitätsniveau im SPNV zu steigern. Das lässt sich NRW-weit im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der im Wettbewerb vergebenen Linien und Teilnetze beobachten.

Darüber hinaus sind weitere maßgebliche Investitionen in die Schieneninfrastruktur notwendig, die durch den Mischbetrieb von Fern-, Nah- und Güterverkehr punktuelle Engpässe aufweist und so oftmals einem reibungslosen Betriebsablauf entgegensteht. Einen Beitrag zur Ermittlung von Mängeln in der Infrastruktur können der für das Jahr 2009 zum ersten Mal erarbeitete Netzzustandsbericht NRW sowie die in Folge veröffentlichten SPNV-Qualitätsberichte leisten. 

Die Vielzahl der Baumaßnahmen im Streckennetz, die zurzeit realisiert wird und geplant ist, wird mittelfristig einen verbesserten Infrastrukturzustand erzeugen. Durch die Infrastrukturmaßnahmen im Zuge der Einführung des Rhein-Ruhr-Express (RRX) wird eine deutliche Verbesserung des Betriebsablaufs auf der Achse Köln - Düsseldorf - Essen - Dortmund - Hamm erwartet. Im Projekt „Robustes Netz NRW“ (ÖPNV-Offensive NRW) werden gezielt Infrastrukturprojekte geplant, die auch bei zukünftigen Baumaßnahmen die Flexibilität im Betrieb erhöhen und ein robustes Angebot im Nahverkehr ermöglichen.

Die Anzahl von Baustellen wird in den nächsten Jahren steigen. Und auch die Zahl der beteiligten Akteure an Baustellen wird zunehmen. Das ist zum einen Folge der komplexeren Baumaßnahmen mit zunehmend größeren Betroffenheiten und Auswirkungen auf Kund*innen, zum anderen bedingt durch die Heterogenität der Zahl der Betreiber (14 Eisenbahnverkehrsunternehmen, EVU). Beide Entwicklungen stellen die Baustellenkommunikation insgesamt vor neue Herausforderungen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat sich deshalb entschieden, die drei Aufgabenträger und die EVU bei der Baustellenkommunikation zu unterstützen. In einem ersten Schritt hat das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium im Juni 2020 eine Stelle „Koordination Baustellenkommunikation NRW“ beim Kompetenzcenter ITF eingerichtet. Ein zentrales Handlungsfeld ist hierfür die landesweite Standardisierung und Vereinheitlichung der Baustellenkommunikation. Um die Baustellenkoordination und -kommunikation dauerhaft organisatorisch und operativ belastbar aufzustellen, stellt das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium jährlich landesweit zehn Millionen Euro zur Verfügung. Dafür werden die Mittel nach § 11 ÖPNVG NRW zweckgebunden um diese Summe erhöht.

Die Fortführung der Modernisierung von Verkehrsstationen (MOF 3, Modernisierungsmaßnahmen an den RRX-​Außenästen und das Zukunftsinvestitionsprogramm „Barrierefreiheit“, Offensive für attraktivere Bahnhöfe des BMVI) trägt dazu bei, die Stationsqualität flächendeckend zu steigern.

Auch ist auf Grundlage der linienspezifischen Ergebnisse der Qualitätsberichte die Disposition an den neuralgischen Knotenbahnhöfen durch die Infrastrukturbetreiber zu überprüfen, um beispielweise im Verspätungsfall auf klar definierte Regularien der Betriebsdurchführung zurückgreifen zu können.

Zur Verbesserung der Qualität im SPNV bleibt der Abbau des zunehmenden Personalmangels im Fahrbetrieb weiterhin ein zentraler Faktor. Negativ wirken sich nicht vorhersehbare Zugausfälle aus, die durch den Ausfall von Triebfahrzeugführern sowie Fahrdienstleitern bedingt sind. Weiterhin sind durch eine verlässliche und zeitgerechte Bereitstellung der Fahrzeuge Anfangsverspätungen, die sich im Fahrtverlauf summieren können, vermeidbar. Der konsequente Einsatz spurtstarker Fahrzeuge mit ausreichenden Kapazitäten kann Verspätungen im Fahrtverlauf reduzieren. Damit Fahrpläne in der Praxis einzuhalten sind, müssen ausreichende Pufferzeiten und erhöhte Fahrgastwechselzeiten auf stark frequentierten Streckenabschnitten berücksichtigt werden.

Um den Schienenverkehr in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen, wurde 2019 die Gemeinschaftsinitiative „Fokus Bahn“ zwischen Aufgabenträgern, Eisenbahnverkehrsunternehmen und dem Verkehrsministerium gestartet, die vom Land Nordrhein-Westfalen mit einer Million Euro unterstützt wird. In dieser Initiative setzen sich die Akteure unternehmensübergreifend für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Bahnbranche ein, die zu langfristigen Verbesserungen beim Eisenbahnverkehr führen soll. Wichtige Themen bei „Fokus Bahn“ sind unter anderem die überbetriebliche Ausbildung, Verkehrsverträge und Kundenzufriedenheit.

Die Aufgabenträger in NRW sind ständig bemüht, neue Ansätze zur Qualitätssteigerung im SPNV zu ermitteln. Ein Beispiel hierfür ist der im April 2020 geschlossene Verkehrsvertrag zum Betrieb der Linien S 1 und S 4. Festgelegt wurde die Ernennung eines Netzmanagers Qualität bereits vor dem eigentlichen Betriebsstart ebenso wie die Verpflichtung, während der Vertragslaufzeit insgesamt 50 Triebfahrzeugführer/innen auszubilden. Darüber hinaus wurde das pönale System angepasst: Eigenverschuldete Qualitätseinbußen werden nun stärker pönalisiert als fremdverschuldete. Erstmalig wurde auch ein Mitarbeiter-Anreizsystem geschaffen. Dafür stellen die Aufgabenträger je nach Erfüllungsgrad ausgewählter Kriterien dem EVU Geld zur Verfügung, welches direkt an die für die Linien zuständigen Mitarbeiter (bspw. Zugbegleiter, Triebfahrzeugführer, Reinigungskräfte oder Disponenten) ausgeschüttet werden muss. Die drei Aufgabenträger entwickeln derzeit in enger Abstimmung weitere qualitätssteigernde Maßnahmen, die sich mit dem europäischen Ausschreibungsverfahren kombinieren lassen und Anwendung finden können.

Seit Sommer 2021 wird der jährliche SPNV-Qualitätsbericht NRW mit seinen umfangreichen Analysen und Hintergrundinformationen um ein weiteres Informationsangebot, den SPNV-Qualitätsmonitor NRW ergänzt, das in kompakter Form Qualitätskennwerte des SPNV darstellt. Diese werden quartalsweise aktualisiert. Das hat den Vorteil, dass vorliegende Qualitätskennwerte zeitnah der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden können. Das Online-Tool bietet eine linienscharfe Auswertung der Qualitätskennzahlen. Die Ergebnisse können nach verschiedenen Kriterien gefiltert, sortiert und angezeigt werden. Für jede Linie wird ein aussagekräftiger Gesamtwert ermittelt, der die Komplexität, mit der der Betrieb einer Linie verbunden ist, berücksichtigt. So lassen sich die Kennzahlen verschiedener Linien vergleichen.