Der Qualitätsbericht zum Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen erscheint jedes Jahr. So lassen sich Qualitätsverbesserungen objektiv nachverfolgen.
Der SPNV-Qualitätsbericht wertet jährlich aus, wie sich das Qualitätsniveau im Nahverkehr auf der Schiene entwickelt hat. Durch den Vergleich von Kennzahlen, die über mehrere Jahre vorliegen, können Tendenzen entdeckt und Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, die den Schienenpersonennahverkehr langfristig stärken sollen.
Betrachtet wird dabei sowohl die Betriebsqualität als auch die Leistungsfähigkeit der Eisenbahninfrastruktur in NRW. Inhaltlich liegen dem Qualitätsbericht größtenteils objektiv messbare Daten zugrunde. Dazu zählen beispielsweise die Pünktlichkeit oder Zugausfälle. Diese Werte ergeben sich aus den Liefernachweisen der Eisenbahnverkehrsunternehmen.
Seit diesem Jahr gibt es den SPNV-Qualitätsbericht zum ersten Mal online (digitaler SPNV-Qualitätsbericht 2025)
Ergänzt wird das Informationsangebot über die Qualität im SPNV in NRW durch das Online-Tool „SPNV-Qualitätsmonitor NRW" und das "SPNV-Qualität: Faktenblatt".
Ausgangslage
In dem jährlichen SPNV-Qualitätsbericht werden die qualitätsrelevanten Daten der SPNV-Aufgabenträger in NRW ausgewertet und zusammengefasst dargestellt. Der erste landesweite Qualitätsbericht erschien im Jahr 2004. Seit 2009 stehen alle Qualitätsberichte auf der Internetseite des Kompetenzcenters Integraler Taktfahrplan NRW (KC ITF) zur Verfügung.
In dem jährlichen SPNV-Qualitätsbericht werden die qualitätsrelevanten Daten der SPNV-Aufgabenträger in NRW ausgewertet und zusammengefasst dargestellt. Da die Datengrundlage in den einzelnen Räumen aufgrund unterschiedlicher Regelungen in den Verkehrsverträgen zwischen den SPNV-Aufgabenträgern und den Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) sehr heterogen ist, beschränkt sich der landesweite Qualitätsbericht bei der vergleichenden Darstellung der Betriebsqualität auf die Kriterien Pünktlichkeit und Zugausfälle. Beispielsweise liegen die Toleranzwerte für die Pünktlichkeit je nach Verkehrsvertrag zwischen 0 und 5 Minuten. Im Interesse der Vergleichbarkeit wird deshalb für alle Linien eine einheitliche Toleranzzeit von 3:59 Minuten angesetzt. Die Toleranzzeit ist damit deutlich enger gefasst als der bundesweit durch die DB kommunizierte Wert von 5:59 Minuten, bis zu dem Züge als pünktlich eingestuft werden.
Folgende Aussagen trifft der SPNV-Qualitätsbericht zur Betriebsqualität im Jahr 2025:
- Pünktlichkeit:
2025 beträgt die durchschnittliche Pünktlichkeitsquote aller in NRW verkehrenden SPNV-Linien 71,7 %. Damit ist die Pünktlichkeitsquote noch unter das bereits niedrige Niveau der Vorjahre gefallen.
Bei den RE-Linien ist die Pünktlichkeitsquote deutlich gesunken auf 63,9 % in 2025. Die RE-Linien weisen damit im Vergleich zu den anderen Produktgruppen RB und S-Bahn wie in den Vorjahren die mit Abstand niedrigste Pünktlichkeitsquote auf. Gründe hierfür sind vielfach die langen Linienwege der RE-Linien mit Durchfahrung von meist mehreren hoch ausgelasteten Kontenbahnhöfen und Streckenabschnitten sowie Strecken mit Baustellen.
Die Pünktlichkeitsquote der RB-Linien ist im Jahr 2025 auf 74,5 % gesunken. Das Pünktlichkeitsniveau der RB-Linien ist sehr unterschiedlich. Linien mit kurzen Laufwegen oder auf separater Infrastruktur mit wenigen Wechselwirkungen zu anderen Verkehren erreichen gute Pünktlichkeitswerte (≥95 %).
Die S-Bahn-Linien erreichen eine Pünktlichkeitsquote von 77,3 %. Die negative Pünktlichkeitsentwicklung der Vorjahre setzt sich damit in 2025 fort.
Der digitale SPNV-Qualitätsbericht enthält differenzierte Darstellungen und Hintergründe zu den pünktlichsten und unpünktlichsten Linien.
- Zuverlässigkeit und Ausfälle:
Insgesamt sind im Jahr 2025 etwa 21 Mio. Zugkilometer in NRW ausgefallen. Bei einem gesamten Zugkilometer-Volumen von 115,4 Mio. Zug-km entspricht das rund 18 %.
Die Zuverlässigkeitsquote gibt Auskunft über die nicht vorhersehbaren Ausfälle. Ursachen sind beispielsweise ein kurzfristiger Personalausfall, Fahrzeug- oder Infrastrukturstörungen, Streik, Notfalleinsätze oder witterungsbedingte Störungen. Bei nicht vorhersehbaren Ausfällen ist das Fortsetzen der Reise nicht ohne weiteres möglich bzw. nur mit Verspätungen oder zusätzlichen Umstiegen möglich. Spontane Ausfälle, häufig in Kombination mit einer nicht ausreichenden Kommunikation, verursachen erhebliche Störungen im Reiseablauf. Die nicht vorhersehbaren Ausfälle sind 2025 weiter gesunken auf 4,6 Mio. Zug-km, liegen aber immer noch auf hohem Niveau. Anhand der Häufung einzelner Störungsgründe lässt sich erkennen, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht.
Neben den nicht vorhersehbaren Zugausfällen werden auch die vorhersehbaren Zugausfälle dokumentiert, denn auch planmäßige Ausfälle führen zu Qualitätseinbußen (zusätzlicher Umstieg, verlängerte Fahrzeit, Komforteinbußen). Die vorhersehbaren Zugausfälle lagen im Jahr 2025 bei rund 12,1 Mio. Zug-km und sind damit weiter gestiegen.
In die Kategorie „abgestimmte personal- und fahrzeugbedingte Ausfälle“ fallen im Jahr 2025 rund 4,3 Mio. Zug-km. Diese „Leistungen“ sind seit dem Jahr 2024 bewusst aus dem Fahrplan herausgenommen worden, um die verbleibenden Fahrten verlässlicher anbieten zu können. Alternativangebote werden rechtzeitig kommuniziert.
Der digitale SPNV-Qualitätsbericht enthält differenzierte Darstellungen und Hintergründe zu Zuverlässigkeit und Ausfällen verschiedener Linien.
Eine Zusammenfassung der Inhalte des Themenbereiches „Betriebsqualität“ finden Sie hier zum Download.
Neben der Betriebsqualität wird im SPNV-Qualitätsbericht auch die landesweite Infrastrukturqualität erfasst.
- Schienennetz: Um eine umfassende Datengrundlage zur Leistungsfähigkeit der Eisenbahn-Infrastruktur in NRW zu erhalten, wird der Zustand des SPNV-Netzes anhand des „Verzeichnisses der örtlich zulässigen Geschwindigkeiten (VzG)“ sowie der „Verzeichnisse der Langsamfahrstellen (La-Verzeichnis)“ der Infrastrukturbetreiber analysiert. Langsamfahrstellen sind Streckenabschnitte, auf denen z.B. aufgrund von Bautätigkeit oder Infrastrukturmängeln nicht die maximale Geschwindigkeit gefahren werden kann.
Aus der La-Analyse des Jahres 2025 geht hervor, dass nicht nur die Anzahl der Langsamfahrstellen in NRW gegenüber den Vorjahren deutlich gestiegen ist, sondern auch die durchschnittliche Länge. Kritisch zu werten sind vor allem die Langsamfahrstellen, die über einen langen Zeitraum bestehen und den Betrieb spürbar beeinflussen. Eine differenzierte Darstellung zu Anzahl, Länge, Verteilung über das Jahr und Ursachen der Langsamfahrstellen zeigt der digitale SPNV-Qualitätsbericht 2025 im Menüpunkt „Netzzustand“.
- Verkehrsstationen: Neben dem Zustand des Schienennetzes ist das Erscheinungsbild der Verkehrsstationen im SPNV-Qualitätsbericht dargestellt. Gewichtung und Ausgestaltung der Bewertungskriterien stehen jedem Aufgabenträger frei (NWL, go.Rheinland und VRR), um damit eigene Schwerpunkte berücksichtigen zu können. Daher wird die Stationsqualität im SPNV-Qualitätsbericht einzeln nach den Ergebnissen der Aufgabenträger dargestellt. Detaillierte Informationen hierzu stehen auch in den Stationsberichten der drei Aufgabenträger.
Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich im Jahr 2025 die Stationsqualität bei go.Rheinland deutlich verschlechtert, im NWL leicht verschlechtert, im VRR ist sie etwa gleichgeblieben. Eine differenzierte Darstellung zur Entwicklung der Stationsqualität in den letzten Jahren zeigt der digitale SPNV-Qualitätsbericht 2025 im Menüpunkt „Stationsqualität“.
Eine Zusammenfassung der Inhalte des Themenbereiches „Infrastrukturqualität“ finden Sie außerdem hier zum Download.
Weiterhin informiert der landesweite Qualitätsbericht über die Organisation des SPNV in NRW sowie über das Leistungsangebot, die tätigen EVU und die in Ausschreibungsverfahren vergebenen SPNV-Netze (siehe Menüpunkt „Nahverkehr NRW“ und als Zusammenfassung hier zum Download)
Seit 2021 wird der jährliche SPNV-Qualitätsbericht NRW mit seinen umfangreichen Analysen und Hintergrundinformationen um weitere Informationsangebote ergänzt:
- Der SPNV-Qualitätsmonitor NRW stellt in kompakter Form Qualitätskennwerte des SPNV dar. Diese werden quartalsweise aktualisiert und stehen deshalb zeitnah der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Online-Tool bietet eine linienscharfe Auswertung der Qualitätskennzahlen. Die Ergebnisse können nach verschiedenen Kriterien gefiltert, sortiert und angezeigt werden. Für jede Linie wird ein aussagekräftiger Gesamtwert ermittelt, der die betriebliche Komplexität, mit der der Betrieb einer Linie verbunden ist, berücksichtigt. So lassen sich die Kennzahlen verschiedener Linien vergleichen.
- Mit dem SPNV-Qualität: Faktenblatt ist ein übersichtliches Medium geschaffen worden, das Veränderungen und Trends der Betriebs- und Infrastrukturqualität in NRW kompakt wiedergibt. Die Faktenblätter stehen zum Download zur Verfügung und werden ebenfalls quartalsweise aktualisiert. Sie enthalten Aussagen zu Pünktlichkeit, Zugbildung, Zuverlässigkeit und Ausfallursachen für die drei Produkttypen RegionalExpress (RE), RegionalBahn (RB) und S-Bahn (S).
Akteure
Das Land NRW hat im Jahr 2004 die Erstellung eines jährlichen Qualitätsberichts für den SPNV in NRW initiiert und unterstützt seitdem dessen Erstellung.
Seit 2011 ist das Kompetenzcenter ITF NRW, angesiedelt beim NWL am Standort Bielefeld, mit der Erstellung des SPNV-Qualitätsberichtes NRW betraut. Die in den letzten Jahren erschienenen Qualitätsberichte stehen auf der Internetseite des KC ITF zur Verfügung (Downloadbereich des KC ITF NRW).
Die SPNV-Aufgabenträger VRR, go.Rheinland und NWL veröffentlichen für ihr Verbandsgebiet regionale Berichte zur SPNV-Qualität, die teilweise eine weitergehende Differenzierung aufweisen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Berücksichtigung "weicher" Kriterien, die durch „Profitester“ und Kundenzufriedenheitsuntersuchungen erhoben werden, die Qualität der Fahrgastinformation, den Zustand der Fahrzeuge, das Zugbegleitpersonal und die Situation an den Bahnhöfen betreffen.
Probleme und Aufgaben
NRW ist noch entfernt von zufriedenstellenden Pünktlichkeitswerten (Zielmarke: 95% und besser). Alle Beteiligten unternehmen fortlaufend viele Anstrengungen, die SPNV-Verlässlichkeit in NRW zu steigern. Bis die Anstrengungen durchschlagende Wirkung zeigen, ist jedoch noch viel Geduld erforderlich. Einerseits beeinträchtigen Baumaßnahmen an Bahnhöfen oder im Bereich der Gleise den Regelverkehr. Die Baumaßnahmen sorgen aber nicht nur für eine Instandsetzung der Infrastruktur, sondern oftmals auch für ihre deutliche Verbesserung.
Insbesondere das Jahr 2020 hat gezeigt, dass die Infrastruktur in NRW teils zu stark belastet ist und sich dies auf die Betriebsqualität auswirkt. Auch wenn der Corona-Grundfahrplan keine erfreuliche Angebotsumstellung war, wurde dadurch deutlich, dass mit weniger Angebot auf der gleichen Schieneninfrastruktur die Betriebsqualität erheblich ansteigt. Da das Angebot im SPNV, auch im Sinne der Umwelt, langfristig ausgebaut werden soll, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass ein Ausbau der Schieneninfrastruktur ein wichtiger Eckpunkt der zukünftigen Planung sein muss.
Bundesweit wird bei der Schieneninfrastruktur derzeit das Ziel verfolgt, mit moderner Signal- und Stellwerkstechnik die Zuverlässigkeit zu erhöhen. Auch in Nordrhein-Westfalen werden alte, teils noch mechanisch betriebene Stellwerke zu elektronischen Stellwerken (ESTW) aufgerüstet. Mit dieser modernen Technik wird auch die Anforderung zur Einführung des europäischen Zugbeeinflussungssystems European Train Control System (ETCS) erfüllt. Damit lassen sich auch Kapazitätssteigerungen auf den Strecken realisieren.
Die Vielzahl der Baumaßnahmen im Streckennetz, die zurzeit geplant oder bereits realisiert wird, führt mittelfristig zu einem verbesserten Infrastrukturzustand. Durch die Infrastrukturmaßnahmen im Zuge der Einführung des Rhein-Ruhr-Express (RRX) wird eine deutliche Verbesserung des Betriebsablaufs auf der Achse Köln - Düsseldorf - Essen - Dortmund - Hamm erwartet. Im Projekt „Robustes Netz NRW“ (ÖPNV-Offensive NRW) werden gezielt kleinere Infrastrukturprojekte geplant und realisiert, die auch bei zukünftigen Baumaßnahmen die Flexibilität im Betrieb erhöhen und ein gegen Verspätungen und Zugausfälle widerstandsfähigeres Schienennetz ermöglichen. Eine Maßnahme im Robusten Netz NRW I war der Einbau einer Weichenverbindung in Köln Messe/Deutz. Sie schafft im stark frequentierten Kölner Eisenbahnknoten zusätzliche Einfahrmöglichkeiten in den Bahnhof Köln Messe/Deutz für Züge des Nah- und Fernverkehrs. Diese Maßnahme wurde im Jahr 2022 erfolgreich umgesetzt.
Durch eine verlässliche und zeitgerechte Bereitstellung der Fahrzeuge sind Anfangsverspätungen, die sich im Fahrtverlauf summieren können, vermeidbar. Der konsequente Einsatz spurtstarker Fahrzeuge mit ausreichenden Kapazitäten kann Verspätungen im Fahrtverlauf reduzieren. Einen wichtigen Beitrag leisten hier z. B. die neuen RRX-Fahrzeuge vom Typ Desiro HC RRX. Damit Fahrpläne in der Praxis einzuhalten sind, müssen ausreichende Pufferzeiten und erhöhte Fahrgastwechselzeiten auf stark frequentierten Streckenabschnitten berücksichtigt werden. Die SPNV-Aufgabenträger haben auch Vorbereitungen zum Einsatz von zahlreichen neuen Fahrzeugen mit alternativen Antrieben getroffen. Die damit beschlossene Ablösung veralteter Dieseltriebzüge wird sukzessive in den nächsten Jahren erfolgen, z.B. ab Dezember 2027 im Niederrhein-Münsterland-Netz und ab Dezember 2029 im Netz Nördliches Westfalen.
Die Fortführung der Modernisierung von Verkehrsstationen (MOF 3, Modernisierungsmaßnahmen an den RRX-Außenästen sowie das BahnhofskonzeptPlus des Bundes) trägt dazu bei, die Stationsqualität flächendeckend zu steigern.
Um den Schienenverkehr in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen, wurde 2019 die Gemeinschaftsinitiative „Fokus Bahn“ zwischen Aufgabenträgern, EVU und dem Verkehrsministerium gestartet. Fokus Bahn wird vom Land Nordrhein-Westfalen unterstützt. In dieser Initiative setzen sich die Akteure unternehmensübergreifend für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Bahnbranche ein, die zu langfristigen Verbesserungen beim Eisenbahnverkehr führen soll. Beim Thema „Fachkräftegewinnung“ konnten durch das Landesprogramm Fokus Bahn NRW bereits signifikante Erfolge verzeichnet werden.

