Das weiße LOOP On-Demand der Stadtwerke Münster fährt mit Passagieren über eine Landstraße in grüner Umgebung
Foto: Stadtwerke Münster

On-Demand-Verkehr

Ver­öf­fent­licht am

Flexible Bedienungsformen wie Anruf-​Sammeltaxen und Taxibusse sind im kommunalen ÖPNV seit vielen Jahren weit verbreitet und zählen zum Instrumentarium einer ÖPNV-​Gestaltung in ländlichen Regionen oder in städtischen Vororten. Aktuell werden unter dem Namen „On-​Demand-Verkehr“ neue flexible Angebote geschaffen, die sich an den bisherigen flexiblen Bedienungsformen orientieren, aber eine digitale Buchungsmöglichkeit nutzen sowie Algorithmen für die Fahrtenplanung verwenden.

Ausgangslage


On-Demand-Angebote verkehren vollständig flexibilisiert:

  • es gibt keine Fahrplan- und keine Linienwegbindung,
  • Fahrten werden nur nach Bedarf durchgeführt,
  • Kleinbusse oder Pkw kommen zum Einsatz.

Die Angebote sind weitgehend digitalisiert:

  • Die Systeme verwenden eine digitale Buchungsmöglichkeit (i.d.R. kommen Smartphone-​Apps zum Einsatz). Nach einmaliger Registrierung erfolgt die Buchung. Hierzu geben die Kund*innen ihren Start-​ und Zielort ein, die Personenzahl und ggf. das vorhandene Ticket.
  • Die Fahrtwünsche der Kund*innen werden über einen Optimierungsalgorithmus miteinander kombiniert („Ride-​Pooling“). Per App oder telefonisch erhält der Fahrgast den Fahrpreis, den Abholort und die Abholzeit.
  • Die Bezahlung der Fahrt erfolgt bargeldlos, meist über die in der Smartphone-​App hinterlegten Zahlungsmöglichkeiten oder selten auch im Fahrzeug.
  • „Haltestellen“ bestehen virtuell, sind also nur in der Smartphone-​App sichtbar. Dadurch entsteht eine sehr große Anzahl an Start-​ und Zielpunkten mit der Folge, dass die Zu-/ Abgangszeiten zum ÖPNV entsprechend verkürzt werden.

On-​​Demand-Verkehre ergänzen das vorhandene ÖPNV-​​Angebot in nachfrageschwachen Zeiten oder in der Fläche. Gerade für die Feinerschließung in Stadtteilen und für die Bedienung der letzten Meile oder auch als Grundangebot im ländlichen Raum können On-​​Demand-Verkehre einen Beitrag zur Mobilitätssicherung leisten und eine Alternative zum privaten Pkw bieten.

Der Fahrpreis bewegt sich in der Regel zwischen dem Nahverkehrstarif und dem Taxitarif. Angewendet werden z. B. der jeweilige Verbundtarif, der Verbundtarif mit Zuschlag oder ein eigenständiger elektronischer Tarif.

Akteure


Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Projekten unterscheiden, und zwar Projekte, 

  • die unter Beteiligung von Akteuren des ÖPNV organisiert werden (Verkehrsunternehmen, Verbünde, Aufgabenträger),
  • die durch die Industrie vorangebracht werden (kommerzielle Anbieter von Ride-​​Pooling-Systemen).

In NRW sind bereits rund 30 On-​​Demand-Verkehre gestartet, die Bestandteil des Verkehrsangebotes eines kommunalen Verkehrsunternehmens sind. In Großstädten sind On-Demand-Verkehre beispielsweise in Duisburg, Essen, Düsseldorf und Bielefeld in Betrieb. In kleineren Städten verkehren On-Demand-Verkehre z. B. in Gronau, Höxter und Meinerzhagen. Wesentliche Merkmale sind:

  • Die Verantwortung für Fahrpersonal, Betriebsführung und Fahrzeuge liegt entweder bei den Verkehrsunternehmen selbst oder es bestehen Kooperationen mit On-​​Demand-Anbietern, Unternehmen für Personenbeförderung bzw. mit lokalen Taxiunternehmen.
  • Die Verkehre sind zumeist in den vor Ort gültigen Tarif integriert oder die Verbundräume entwickeln eigenständige On-​Demand-Tarife.
  • Die Gestaltung der Fahrzeuge greift das Logo des Verkehrsunternehmens auf.
  • Aus genehmigungsrechtlichen Gründen sind als Ein- und Ausstiegspunkte Haltestellen festgelegt. Sie liegen in den meisten Fällen nur virtuell vor. Dadurch ist eine große Anzahl Halte möglich, so dass die Fußwege zur nächsten Haltestelle sehr kurz sind.
  • Die notwendige Software (Hintergrundsystem, Fahrgast-​​App, Disponenten-​​App bzw. Weboberfläche sowie Fahrer*innen-​​App) bringen On-​​Demand-Anbieter entweder mit oder sie wird von Unternehmen gestellt, die ausschließlich Software für Drittanwendende entwickeln und vertreiben.
  • Die Genehmigung erfolgt nach §44 PBefG.

Neben den in das Nahverkehrsangebot eingebundenen On-​Demand-Verkehren gibt es auch kommerzielle On-​Demand-Angebote in Deutschland. Beispiel hierfür ist MOIA in Hamburg und Hannover. Wesentliche Merkmale sind:

  • Sie werden von einem Anbieter von Ride-​Pooling-Systemen ohne Auftrag einer öffentlichen oder privaten Organisation durchgeführt.
  • Ihre Genehmigung erfolgt als gebündelte Bedarfsverkehren nach § 50 PBefG.
  • Die Gestaltung der Fahrzeuge und Smartphone-​Apps erfolgt im Design des Anbieters.
  • Ein unternehmenseigener Tarif findet Anwendung.   

Das Land NRW stellt im Rahmen der ÖPNV-Offensive für den Ausbau von On-Demand-Verkehren insgesamt 120 Millionen Euro bis 2031 zur Verfügung. Mehrere On-Demand-Projekte im ländlichen Raum wurden im Rahmen des Landeswettbewerbs „Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“ gefördert. Durch die Modellprojekte sollten Wege gefunden werden, wie in eher ländlich geprägten und suburbanen Räumen ÖPNV-Angebote neu geschaffen oder die bestehenden Angebote attraktiver werden können. Bis auf die Projekte „kommit shuttle“ des Kreises Coesfeld und „Loop Münsterland“ werden die übrigen zehn Projekte nach Ende des Förderzeitraums in modifizierter Form fortgeführt (Anpassungen von Bedienzeit, Bediengebiet und Bedienform wie z.B. Einsatz von Fahrzeugen ohne Logo, Erheben eines Zuschusses pro Fahrt). Anpassungen sind notwendig, da die Wirtschaftlichkeit aufgrund der künftigen Eigenfinanzierung eine stärkere Rolle spielt. Da die Nutzerzahlen stetig gewachsen sind, stieg bei den meisten Projekten auch die Erwartung an die ÖPNV-Aufgabenträger, ein fortlaufendes Angebot über die Förderperiode hinaus, anzubieten.

Das "Zukunftsnetz Mobilität NRW" unterstützt Städte, Gemeinden und Kreise bei der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte, so auch bei der Einführung von On-Demand-Verkehren. Es stehen drei regionale Koordinierungsstellen dienstleistend und beratend zur Verfügung, um die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen und konkrete Projekte anzustoßen.

Projekte in NRW


Beispiele für Projekte in Städten:

myBus

Als bundesweit erstes Verkehrsunternehmen hat die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) einen On-Demand-Verkehr mit Smartphone-App eingerichtet. Das Pilotprojekt myBus ist im Oktober 2017 in vier Duisburger Stadtteilen gestartet und war zunächst für drei Jahre angelegt. 2018 wurde das Projekt um weitere Stadtteile ergänzt und 2019 auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Seit September 2021 ist myBus in den Regelbetrieb übergegangen. 

Die myBus-​Kleinbusse waren zunächst nur in der Schwachverkehrszeit am Wochenende im Einsatz. Seit 2021 verkehren sie täglich in den Abend- und Nachtstunden. Entwickelt wurde das Hintergrundsystem von dem Berliner Technologieunternehmen door2door. Der Preis für eine Fahrt richtet sich nach einem durch den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) festgelegten On-Demand-Tarif. Er wird nach Luftlinie berechnet. Ermäßigungen gibt es u.a. für Abo-Kund*innen und für Mitfahrende. Mit Umstellung auf eine neue myBus DVG-App im Frühjahr 2023 arbeitet die DVG jetzt mit dem Technologieanbieter Via zusammen. Die neue App ermöglicht auch Vorbestellungen. Die zunächst eingesetzten dieselbetriebenen Fahrzeuge sind in den letzten Jahren durch elektrische Kleinbusse ersetzt worden.

mein SWCAR

Einen vergleichbaren Service bietet die SWK Stadtwerke Krefeld AG seit Sommer 2019 mit mein SWCAR täglich abends ab 18 Uhr bis 1.00 Uhr nachts, in den Wochenendnächten bis 4.00 Uhr. Plug-​In Hybridfahrzeuge des britischen Herstellers LEVC im typischen London-Taxi-Design holen die maximal sechs Fahrgäste an einem der rund 20.000 virtuellen Haltepunkte in ganz Krefeld ab und bringen sie zum gewünschten Zielort. Für die Durchführung der Fahrten kooperiert die SWK mit einem Taxiunternehmen. Die Smartphone App wurde von der Frankfurter Firma ioki entwickelt, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn für On-​Demand-Verkehre.

2024 haben die SWK aufgrund von Problemen mit der Zuverlässigkeit der Fahrzeuge von LEVC drei neue elektrische Mercedes Benz EQV angeschafft. Die SWCar-Flotte vergrößert sich damit auf insgesamt sieben Fahrzeuge.

Hol mich! App

In Wuppertal setzt die WSW mobil seit Herbst 2020 ebenfalls elektrisch angetriebene „London Taxi“ ein. Unter dem Namen Hol mich! App wurden zunächst drei Stadtbezirke täglich von morgens bis abends, am Wochenende auch nachts bedient. Im Frühjahr 2022 ist ein vierter Stadtbezirk hinzugekommen. Die Software der Hol mich! App wurde von Via entwickelt, einem Anbieter von Ride-​Pooling Services und Software-​Lösungen. Das Unternehmen betreibt auch die Flotte. Nach Anschubfinanzierung durch das Forschungsprojekt Forschungsprojekts „Bergisch Smart“ hat die WSW die Finanzierung von Hol mich! App übernommen. In den ersten Betriebsjahren hat sich “Hol Mich! App” bei den Fahrgästen etabliert und die Fahrgastzahlen stiegen bis Ende 2024 an. Mit verstärkt auf den Markt gekommenen alternativen Mobilitätsangeboten, wie anderen Fahrdienstleistern oder E-Scootern, gingen die Fahrgastzahlen im Laufe des Jahres 2025 jedoch zurück. Erschwerend kam hinzu, dass die Betriebskosten für Fahrzeuge, Fahrpersonal und Wartungen stetig anstiegen. Daher wird die WSW Ende März 2026 das On-Demand-Angebot „Hol Mich! App!“ einstellen und sich auf den Linienbetrieb konzentrieren. Die finanziellen Mittel sollen zukünftig dort eingesetzt werden, wo sie die Personenbeförderung besonders effektiv und nachhaltig verbessern.

Im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) basieren die Kosten für die Fahrt mit einem durch ein Verkehrsunternehmen organisierten On-Demand-Verkehr auf einem eigens hierfür entwickelten Tarif. Der berechnete Gesamtpreis für eine Fahrt ergibt sich aus einem Grundpreis und möglichen Ab- und Zuschlägen: 

  • Der Grundpreis ist abhängig von der Länge der Strecke (Luftlinie).
  • Abschläge erhalten Abo-Zeitkarten-Inhaber*innen, Schwerbehinderte und Kinder (-25 %) sowie Mitfahrende (-50 % für den 1. Mitfahrenden, -75 % für den 2. und 3. Mitfahrenden, -100 % für den 4. und 5. Mitfahrenden). Auch Boni und Sonderangebote im Rahmen von Rabattaktionen können die Verkehrsunternehmen gewähren.
  • Zuschläge können bei besonderen Verkehren auf den Grundpreis aufgeschlagen werden (z. B. zu Zeiten von Messen, Silvester oder Karneval).

Isi

Ende 2020 ist in Köln das für vier Jahre angelegte On-Demand-Projekt Isi gestartet. Für die Testphase wurden drei Stadtbereiche ausgewählt. In zwei Stadtbereichen mit Defiziten in der Feinerschließung verkehrte Isi tagsüber zunächst außerhalb der Hauptverkehrszeit (8 – 15 Uhr), seit Sommer 2023 auch in der nachmittäglichen Hauptverkehrszeit (15 – 18 Uhr). Dieses Angebot richtete sich vorrangig an Senior*innen und mobilitätseingeschränkte Personen. Ergänzend zum bestehenden ÖPNV-​Angebot wurde der On-​Demand-Verkehr auch in der Kölner Innenstadt angeboten, und zwar in der Schwachverkehrszeit am Wochenende. Isi konnte sowohl über die Smartphone-​​App als auch telefonisch gebucht werden. 

Das Angebot war in den regulären Tarif des Verkehrsverbunds Rhein-​Sieg (VRS) integriert (Abokund*innen konnten tagsüber kostenlos fahren, Gelegenheitskund*innen zahlten den normalen VRS-​Tarif). Auch NRW-​Tickets und Deutschlandtickets konnten tagsüber für die Fahrt genutzt werden. Nachts wurde für alle Fahrgäste ein Zuschlag erhoben. Die Tickets wurden über die Smartphone-​App abgerechnet oder bargeldlos im Fahrzeug bezahlt. Als Software-​Partner hatten die Kölner Verkehrs-​Betriebe (KVB) die Firma Via engagiert. Die KVB übernahm die Disposition und stellte das Personal. 

Nach einer ersten Evaluierung im Herbst 2022 wurden das Bedienungsgebiet und die Bedienungszeiten im Sommer 2023 ausgeweitet. Vor dem Ende des Pilotzeitraums im Dezember 2024 wurde das On-Demand-Angebot erneut evaluiert. Der Abschlussbericht der KVB zeigte folgende Ergebnisse:

  • Die Zufriedenheit der Nutzer*innen ist hoch.
  • Die Isi-​Nutzer*innen sind zu einem großen Teil vom klassischen ÖPNV auf das On-​Demand-Angebot umgestiegen und waren keine Neukunden.
  • Das Beispiel Porz zeigt, dass das Ziel, die ÖPNV-​Erschließung in Randlagen insbesondere für ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen zu verbessern, erreicht wurde. Das prognostizierte Nachfragevolumen konnte jedoch nicht erreicht werden.
  • Im Vergleich zu schwach ausgelasteten Buslinien ist der Kostendeckungsgrad des On-​Demand-Angebots sehr gering. Der On-Demand-Verkehr war somit deutlich unwirtschaftlicher als der liniengebundene Busverkehr.

Im Lichte dieser Ergebnisse hat die Stadt Köln auf Vorschlag der KVB das On-​Demand-Projekt ISI planmäßig zum Jahresende 2024 auslaufen lassen. In Zeiten schwieriger ÖPNV-​Finanzierung könne das Geld an anderer Stelle im ÖPNV (z. B. Finanzierung neuer Schülerfahrten) nutzbringender eingesetzt werden. Die zwischenzeitlich eingestellten TaxiBus-​Linien wurden wieder in Betrieb genommen.

LOOPMünster

Von September 2020 bis August 2024 war im Süden von Münster das On-​Demand-Angebot LOOP unterwegs. Das Pilotprojekt wurde durch das Land NRW gefördert (im Rahmen des Landeswettbewerbs „mobil.nrw – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“). Betreiber waren die Stadtwerke Münster. Das Konzept und die Routensteuerung wurden von door2door entwickelt. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt durch die Fachhochschule Münster. 

Das Angebot war zunächst auf drei Jahre angelegt. Da die Fördermittel für eine Fortsetzung des Projekts ausreichten, wurde LOOPMünster um ein Jahr bis Sommer 2024 verlängert. Der Bedienungszeitraum orientierte sich wochentags an den ÖPNV-​​​Betriebszeiten (5 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts). Am Wochenende fand die Bedienung rund um die Uhr statt. Fahrten mit LOOP wurden durch das Buchungssystem nur angeboten, wenn keine Alternative im Busverkehr bestand. Eingesetzt wurden London-​​​Taxen. 

Die anfangs mögliche Buchung per Telefon wurde aufgrund einer sehr geringen Nachfrage (der telefonische Anteil lag bei 0,3 % aller Buchungen) 2022 eingestellt. LOOP war zunächst in den örtlichen ÖPNV-Tarif integriert, konnte also ohne Aufpreis genutzt werden. Nach zweieinhalb Jahren wurde testweise ein Aufpreis von einem Euro pro Fahrt erhoben. Dadurch konnte der hohe Anteil an kurzfristigen Stornierungen ebenso eingedämmt werden wie die Anzahl Fahrten, bei denen der Kunde nicht zur Abholung erschien. So stieg die Verfügbarkeit der Fahrzeuge von 70 % auf fast 100 % bei gleichzeitig geringerem Fahrzeugeinsatz von sieben statt 10 Fahrzeugen. Entsprechend hat sich die Effizienz von LOOPMünster deutlich verbessert. Mit Einführung des Aufpreises von einem Euro pro Fahrt im April 2023 war jedoch auch eine deutlich reduzierte Fahrgastnachfrage festzustellen (rund 55 % der Fahrgäste im Vergleich zum Vormonat). Zu berücksichtigen ist aber, dass zu diesem Zeitpunkt für die Kund*innen ein Wechsel der App mit Neuregistrierung notwendig wurde, da seit der Insolvenz von door2door die gesamte Software umgestellt werden musste. Bis Ende 2023 ist die Fahrgastnachfrage jedoch wieder sukzessive auf etwa 67 % des vorherigen Niveaus (bezogen auf März 2023) gestiegen. 

Der Betrieb von LOOP wurde nach vierjähriger Laufzeit Ende August 2024 eingestellt. Ausschlaggebend waren einerseits die hohen Kosten, die die Stadt nach dem Ende der Landesförderung hätte alleine tragen müssen, andererseits fehlende Verlagerungen der Verkehrsnachfrage vom Pkw auf den ÖPNV.

On-Demand-Verkehre im städtischen Raum in NRW

Name Stadt Verkehrsunternehmen Start Ende
myBus Duisburg Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) 10/2017  
NetLiner Aachen Aachener Straßenbahn AG (ASEAG) 06/2019  
SWCAR Krefeld SWK Stadtwerke Krefeld AG 08/2019  
meinAnton Bielefeld moBiel 10/2019  
Revierflitzer Oberhausen Stadtwerke Oberhausen GmbH (STOAG) 06/2020  
LOOPMünster Münster Stadtwerke Münster GmbH 09/2020 08/2024
Hol mich! App Wuppertal WSW mobil 10/2020 03/2026
Isi Köln Kölner Verkehrsbetriebe AG (KVB) 12/2020 12/2024
Shuttle - Holt dich ab Gütersloh Stadtwerke Gütersloh 12/2020  
Bussi Essen Ruhrbahn 03/2021  
Hüpper Hürth Stadtverkehr Hürth (SWH)/
Regionalverkehr Köln GmbH (RVK)
10/2021  
STADTBUSsi Dormagen Stadtbus Dormagen GmbH (SDG) 12/2021  
mobie Erftstadt
Pulheim
Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft mbH (REVG) 09/2022
04/2023
 
efi Leverkusen wupsi GmbH 12/2022 12/2024
Flexy Düsseldorf Rheinbahn AG 03/2023  
Op Jück Mönchengladbach NEW AG 04/2023  
NEmo Neuss Stadtwerke Neuss (SWN) 02/2024  

On-Demand-Verkehr im ländlichen Raum in NRW:

G-Mobil

In der Stadt Gronau ist die Umstellung des Stadtbusverkehrs auf ein digitales und nach Bedarf gesteuertes Angebot im Sommer 2021 erfolgt. Das Angebot G-Mobil fungiert als Zu- und Abbringer zum Schienenpersonennahverkehr bzw. zu Regionalbus-​Achsen mit dichter Bedienung, erschließt zusätzliche Stadtbereiche und verkehrt im Vergleich zum bisherigen StadtBus-System zu ausgeweiteten Betriebszeiten. Die Buchung erfolgt per App oder per Telefon. Das G-Mobil ist vollumfänglich in den WestfalenTarif integriert. Es entstehen also keine Zusatzkosten gegenüber dem normalen Busverkehr und Abos sind problemlos nutzbar. 

Das Projekt „On-Demand-Verkehr in Gronau“ wurde bis Ende 2023 im Rahmen des Landeswettbewerbs „mobil.nrw – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“ gefördert. Seit 2024 wird das G-Mobil als Regelangebot durch die Stadt Gronau finanziert und ist damit einer der ersten On-Demand-Verkehre im ländlichen Raum, die in den Regelbetrieb übergegangen sind. Konzessionär ist die Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM).

Die Stadt Gronau hat im Rahmen der Haushaltsdebatten 2024 beschlossen, das Budget für den ÖPNV zu deckeln. Auf dieser Grundlage hat die Verwaltung zusammen mit der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) und in Abstimmung mit dem Bürgerbusverein verschiedene Varianten zur Neuordnung des G-Mobil-Konzepts entwickelt. Beschlossen wurde, das G-Mobil ab 2025 tagsüber im Linienverkehr fahren zu lassen. Montags bis freitags zwischen 6.00 und 19.00 Uhr ersetzen drei neue Stadtbuslinien das bedarfsgesteuerte Angebot. Der On-Demand-Shuttle übernimmt auf Bestellung weiterhin die Bedienung in den Abendstunden und am Wochenende. Die Buchung ist seitdem nicht mehr telefonisch, sondern ausschließlich über die RVM On-Demand-App möglich.

HELMO

HELMO startete im Rahmen des Projekts MobiHell als Pilot für den erstmaligen Betrieb eines On-Demand-Verkehrs im Kreis Soest. Mit Helmo werden bestehende bedarfsgesteuerte ÖPNV-Angebote weiterentwickelt und ein neues Angebot zur Erschließung von bislang vom ÖPNV schwach bedienten Räumen erprobt. Helmo erweitert das Verkehrsangebot in Anröchte sowie zwischen Erwitte und Bad Sassendorf. Helmo ist vollständig in den WestfalenTarif integriert. Die Bestellung über App und Telefon ermöglicht die Nutzung für alle Altersgruppen. Das Projekt Helmo startete im September 2021, der Förderzeitraum endete Ende August 2022. Die Kosten für den Betrieb in dieser Laufzeit wurden zu 80 % durch das Wirtschaftsministerium NRW gefördert und zu 20°% aus Eigenmitteln des Kreises Soest. 

Seit September 2022 erfolgt die Finanzierung durch die beteiligten Gemeinden. Die Kosten für die On-Demand-Software und das CallCenter trägt weiterhin der Kreis Soest. Federführend bei der Umsetzung ist die Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH (RLG). 

Nach erfolgreichem Projektabschluss wird Helmo nun im Kreisgebiet weiter ausgebaut. Seit Herbst 2024 bedient Helmo auch die Gemeinden Lippetal und Ense. In Ense übernimmt der Bürgerbus-Verein mit seinen ehrenamtlichen Fahrer*innen und einem eigenen Fahrzeug einen Teil der Helmo-Fahrten. Die restlichen Fahrten führt die RLG gemeinsam mit einem anderen Unternehmen durch. Seit Herbst 2025 gehört auch die Gemeinde Welver zum Bedienungsgebiet von Helmo.

On-Demand-Verkehre im ländlichen Raum in NRW

Name Stadt Kreis Verkehrsunternehmen Start Ende
NetLiner Monschau
Roetgen
Simmerath
Stolberg
Städteregion Aachen Aachener
Straßenbahn AG
(ASEAG)
12/2016
10/2021
02/2022
11/2025
 
Lippemobil (LIMO) Lage
Oerlinghausen
Leopoldshöhe
Kreis Lippe Kommunale
Verkehrsgesellschaft
Lippe
mbH (KVG)
08/2020
06/2023
06/2023
 
Rhesi Neunkirchen-Seelscheid Rhein-Sieg-Kreis Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft
mbH (RSVG)
08/2021  
kommit-Shuttle Senden Kreis Coesfeld Regionalverkehr
Münsterland
GmbH (RVM)
08/2021 08/2024
Helmo Anröchte, Erwitte/Bad Sassendorf
Lippetal
Ense
Welver
Kreis Soest Regionalverkehr
Ruhr-Lippe GmbH
(RLG)
09/2021


09/2024
10/2024
10/2025
 
monti Wiehl, Nümbrecht
und Marienheide
Oberbergischen Kreis Oberbergische
Verkehrsgesellschaft
mbh (OVAG)
11/2021  
Holibri Höxter
Willebadessen
Lichtenau
Hövelhof
Kreis Höxter
Kreis Paderborn
fahr mit – Mobil
im Hochstift
12/2021
07/2023
04/2024
08/2024
 
KleveMobil Kleve
Kalkar
Kreis Kleve Niederrheinische
Verkehrsbetriebe
AG (NIAG)
12/2021
06/2023
 
FluxFux Gevelsberg,
Ennepetal,
Breckerfeld
Ennepe-Ruhr-Kreis Verkehrsgesellschaft
Ennepe-Ruhr
mbH (VER)
06/2022  
efi Odenthal Rheinisch-Bergischer-Kreis Wupsi GmbH 12/2022 12/2024
BEA Meinerzhagen Märkischer Kreis Märkische
Verkehrsgesellschaft
GmbH (MVG)
03/2023  
ODI Moers, Kamp
Lintfort, Neukirchen-
Vluyn, Rheinberg
Kreis Wesel wir4-Kommunen/
Niederrheinische Verkehrs-
betriebe AG (NIAG)
05/2023 12/2025
mobie (vorher Kraftraum Shuttle) Bergheim Rhein-Erft-Kreis Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft (REVG) 11/2024  

Eine grafische Übersicht von On-​Demand-Angeboten in NRW und Detailinformationen zu verschiedenen Projekten stehen auf mobil.nrw bereit.

Probleme und Aufgaben


Die Zahl der digitalisierten On-​Demand-Verkehre hat in Städten, in Stadt-​Umland-Räumen und im ländlichen Raum stetig zugenommen. In Deutschland gab es Anfang 2019 etwa ein Dutzend On-​Demand-Angebote. Heute sind es bereits über 120 Projekte. Doch die Entwicklung stagniert: Die Zahl neuer Projekte flacht ab, viele bestehende Angebote stehen ohne gesicherte Finanzierung auf der Streichliste (Quelle: VDV).

Die Projekte werden meistens von der örtlichen Politik vorangetrieben. Im ländlichen Raum hat insbesondere der Landeswettbewerb „Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“ zwischen 2020 und 2023 die Entwicklung neuer On-Demand-Angebote in NRW unterstützt. 

Auch die Novelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) im Jahr 2021 hat zu einem deutlichen Zuwachs an On-Demand-Angeboten beigetragen. Durch die Novellierung des PBefG sind unter anderem rechtliche Grundlagen für neue Bedienformen im Bereich bedarfsgesteuerter Ride-Pooling-Angebote geschaffen worden. Dazu wurden sowohl eine neue Form des Linienverkehrs innerhalb des ÖPNV (§ 44 PBefG - Linienbedarfsverkehr) als auch eine neue Form des Gelegenheitsverkehrs außerhalb des ÖPNV (§ 50 PBefG - gebündelter Bedarfsverkehr) in das PBefG eingeführt. Mit diesen Rechtsgrundlagen werden die Anforderungen an die On-Demand-Verkehre eindeutig und rechtssicher geregelt. 

Die derzeit in NRW laufenden On-Demand-Angebote sind zunächst befristet gestartet. Als Pilotprojekte bieten sie die Möglichkeit, während der Laufzeit Anpassungen im Angebot vorzunehmen. Viele Projekte nutzen diese Möglichkeiten und erweitern das Bedienungsgebiet, verändern die Betriebszeiten oder testen die Wirkung von Zuschlägen. Durch das Testen verschiedener Angebotsformen werden Erfahrungen gesammelt. Die meisten Projekte wurden oder werden durch Fördergelder von Land oder Bund unterstützt. 

Mehrere Angebote sind inzwischen von der Pilotprojektphase in den Regelbetrieb übergegangen wie z. B. myBus in Duisburg, Holibri in Höxter oder Helmo im Kreis Soest. Die Pilotprojekte LOOPMünster, ISI in Köln, efi in Leverkusen und Odenthal sowie kommit-​Shuttle in Senden wurden dagegen nach Projektende nicht fortgeführt. Wesentlicher Grund hierfür sind hohe Kosten, die vor dem Hintergrund angespannter Haushaltslagen nicht getragen werden können. Auch im Projekt Gmobil in Gronau wurde das bedarfsgesteuerte Angebot tagsüber wieder in eine Linienbedienung umgewandelt, um Kosten zu senken. Andere Projekte wurden zunächst verlängert (z. B. ODI im Kreis Wesel und Hol mich! App in Wuppertal), anschließend aber ebenfalls aus Kostengründen eingestellt. Eine dauerhafte Finanzierungsgrundlage für On-​​Demand-Verkehre fehlt zzt. noch. Erschwerend kommt die aktuelle Kostensituation bei Personal, Energie, Kraftstoffen und Material hinzu.  

Bei der Finanzierung ist zu berücksichtigen, dass bedarfsgesteuerte Angebote bei Aktivierung im Vergleich zu Linienangeboten mit Stadt- oder Regionalbussen deutlich höhere Kosten pro Platz-km aufweisen. Das liegt im Wesentlichen an den kleineren Fahrzeugen mit meist sechs Sitzplätzen. Die Stückkosten (Euro/Platz-km) betragen im Linienbedarfsverkehr etwa das 7 bis 10-fache gegenüber dem Stadt- und Regionalbusverkehr. Die Erlöse sind jedoch nur geringfügig höher als im Linienbusverkehr (Quelle: Gutachten über die Finanzierung von Leistungskosten der öffentlichen Mobilität, VDV und Roland Berger, 2021). 

Ein großer Vorteil gegenüber den herkömmlichen flexiblen Bedienungsformen wie AST oder TaxiBus ist bei den neuen On-Demand-Angeboten der hohe Grad der Digitalisierung. Er ermöglicht kurze Dispositionszeiten und effektives Ride-Pooling. Durch die universelle Verfügbarkeit von Smartphones wird die Kommunikation mit dem On-Demand-Anbieter erleichtert. Auch junge Menschen („digital natives“) werden angesprochen.

Nachteilig sind die Implementierungskosten, die für Hintergrundsystem, Fahrgast-App und Fahrer*innen-App zunächst investiert werden müssen. Auch entstehen im Gegensatz zu AST- und TaxiBus-Verkehren, die in der Regel Fahrzeuge des Taxen- und Mietwagengewerbes nutzen, Kosten für die Anschaffung von eigenen Fahrzeugen für den On-Demand-Verkehr. Durch den im Vergleich zum Taxitarif geringeren Fahrpreis, müssen die Einnahmen über das Ride-Pooling mit möglichst hoher Auslastung der Fahrzeuge erzielt werden. Wesentlich hierfür sind ein gutes Marketing und ein einfacher Zugang zum Angebot. Hierfür ist eine Integration in die bestehenden Auskunftssysteme nützlich, um das Angebot bekannt zu machen und die Notwendigkeit einer App-Installation und Registrierung in einer separaten App zu vermeiden. Meist sind nur große Verkehrsunternehmen in der Lage, digitale On-Demand-Verkehre anzubieten.  

Das Land NRW hat 2025 einen Förderaufruf gestartet, der die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit von On-​Demand-Verkehren zum Ziel hat. Voraussetzung für die Teilnahme ist der Anschluss der Projekte an das zukünftige landeseinheitliche Hintergrundsystem (siehe unten). Zusätzlich müssen die Projekte Ziele zur Betriebsoptimierung verfolgen, um eine Förderung gewährt zu bekommen.

Mehrere laufende On-​Demand-Angebote haben bereits ihr Angebot angepasst, um Kosten zu senken. So werden z.B. bei Rhesi im Rhein-​Sieg-Kreis seit 2025 auch Fahrzeuge ohne Logo eingesetzt. Weiterhin wurde das große Bedienungsgebiet in zwei kleinere aufgeteilt, wodurch weite Fahrten vermieden werden, die Fahrzeuge lange binden. Die Buchung von parallelen Fahrten zum Busverkehr ist nicht mehr möglich. Bei BEA im Märkischen Kreis wird seit Frühjahr 2025 ein Komfortzugschlag von 1 Euro pro Fahrgast erhoben. 

In Harsewinkel und in Verl im Kreis Gütersloh ist im Oktober 2024 das „flex taxi“ als erstes ÖPNV-​Taxi in NRW gestartet. Den Betrieb übernehmen Taxi-​Unternehmen mit eigenen Fahrzeugen auf denen ein Logo des flex Taxis angebracht ist. Die Buchung erfolgt über die OWLmobil App oder telefonisch. Der VVOWL ist Initiator und Förderer des Projekts. Das Pilotprojekt soll über einen Zeitraum von 3 Jahren laufen.

Der VDV-Leitfaden "Linien- und Bedarfsverkehre in der Region: Integriert, datenbasiert, effizient. Ein Leitfaden zur Planung, Konzeption und Umsetzung von On-Demand-Angeboten" beleuchtet die strategische Bedeutung von On-Demand-Angeboten. Der VDV stellt heraus, dass eine systematische Integration in das ÖPNV-Angebot, transparente Kommunikation über Buchungs- und Informationssysteme sowie eine wirtschaftliche Steuerung über Kennzahlen wie Auslastung, Wartezeiten und Kosten entscheidend für den Erfolg sind. Der Leitfaden betont die Notwendigkeit flexibler Finanzierungsmodelle, lernender Systeme und politischer Unterstützung. Praxisbeispiele für die Integration von Bedarfsverkehren in bestehende Systeme werden inklusive quantitativer Kennzahlen in dem VDV-Leitfaden vorgestellt.

Um den Einsatz neuer Angebotsformen zu evaluieren, hat das Kompetenzcenter Digitalisierung (KCD) die „Potenzialanalyse Ridepooling Ruhrgebiet“ durchgeführt. Demnach sind On-Demand-Verkehre eine sinnvolle Ergänzung des ÖPNV, und zwar als integraler Bestandteil des ÖPNV, insbesondere in ländlichen Regionen, in den Abend- und Nachtstunden im urbanen Raum sowie für kommunenübergreifende Verbindungen.

In einem Folgeprojekt wurden die Ergebnisse der Potenzialanalyse vertieft und ein Vorschlag für ein Umsetzungsmodell für ein einheitliches On-Demand Ridepooling System in NRW entwickelt. Kernergebnis: die landesweit standardisierte Etablierung von On-Demand Ridepooling Verkehren ist eine Gemeinschaftsaufgabe der nordrhein-westfälischen Nahverkehrsakteure Land, Verbünde sowie kommunale Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen. Das KCD hat auf seiner Website „Potenzialanalyse Ridepooling Ruhrgebiet des KCD NRW – Folgeuntersuchung“ die „Potenzialanalyse Ridepooling Ruhrgebiet“ und das Folgeprojekt „Konzeptvorschlag eines Umsetzungsmodells für ein einheitliches On-Demand Ridepooling System in NRW“ veröffentlicht.

Die Rhein-​Main-Verkehrsverbund Servicegesellschaft mbH (rms) hat mit Unterstützung des KCD die Vorteile einer Standardisierung von On-​Demand-Verkehren untersucht. Seit 2021 sind 10 On-​Demand-Dienste im Rahmen eines Förderprojekts in der Stadt Frankfurt am Main, im Kreis Offenbach und im Rheingau-​Taunus-Kreis in Betrieb gegangen, die im Sinne eines regionalen Ansatzes harmonisiert sind. Alle Angebote nutzen den RMV-​Tarif, eine einheitliche E-​Fahrzeugflotte, eine gemeinsame IT-​Plattform sowie ein gemeinsames On-​Demand-Logo. Seit Anfang 2025 sind alle 10 On-​Demand-Verkehre im Rhein-​Main-Verkehrsverbund in den Regelbetrieb übergegangen und nutzen eine verbundweite Buchungs-​App.

Die ersten Erfahrungen zeigen erhebliche Vorteile bei Einrichtung und Betrieb einer regionalen On-Demand-Plattform: Fahrgäste müssen sich nur einmal registrieren und können dann alle beteiligten On-Demand-Angebote nutzen. Zudem profitieren sie vom einheitlichen Tarifsystem und von übergreifenden Marketingaktionen. Für Betreiber und Zuwendungsgeber ergeben sich Effizienzsteigerungen im Betrieb sowie eine größere „Marktmacht“ gegenüber Dienstleistern. Die Risiken und Herausforderungen, die z.B. beim Aufbau einer neuen organisatorischen Ebene oder der Integration bereits vorhandener Angebote erwartet werden, sind dagegen beherrschbar und können bei vorausschauender Planung minimiert oder sogar eliminiert werden. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in einem Whitepaper zusammengefasst („On-Demand-Mobilität - Zentralisierte Ridepooling-Plattformen als Erfolgsfaktor für harmonisierte Produkte und effizienten Roll-out“, rms, 2023).

Auch das Land NRW verfolgt das Ziel, ein einheitliches On-​Demand Hintergrundsystem aufzubauen. Das KCD hat hierfür eine landesweite Plattform entwickelt, mit der bedarfsgesteuerte Angebote besser koordiniert und miteinander verknüpft werden können. Eingeflossen in die Entwicklung sind Erfahrungen aus dem Projekt Kraftraum-Shuttle im Rhein-Erft-Kreis. Das Verkehrsministerium fördert die Systementwicklung mit knapp 8,5 Millionen Euro. Die Plattform ist ein zentraler Bestandteil der ÖPNV-Digitalisierungsoffensive (On-Demand Plattform NRW).

Ende 2025 ist die landesweite mandantenfähige On-Demand Ridepooling-Plattform unter dem Namen „rufmobil.nrw offiziell gestartet. Sie bündelt erstmals landesweit On-Demand-Angebote, Rufbusse und Anrufsammeltaxis auf einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur und ermöglicht Auskunft, Buchung und Ticketing für alle beteiligten Verkehre in NRW. Die Plattform ist modular und skalierbar aufgebaut, sodass bestehende und neue Projekte integriert werden können. HochstiftBewegt ist als erstes Verkehrsunternehmen mit dem On-Demand-Verkehr Holibri Höxter auf rufmobil.nrw migriert. Weitere Unternehmen sollen im Jahr 2026 folgen. Für das Smartphone steht die rufmobil.nrw-App zur Verfügung. Infos hierzu finden sich im Downloadbereich von mobil.nrw.

Ein landesweiter Förderaufruf unterstützt die Migration und den Betrieb von Ridepooling-Angeboten auf der Plattform in den Jahren 2026 bis 2028. Ziel ist es, bis 2029 eine harmonisierte, digitale On-Demand-Landschaft in NRW zu etablieren, die nachhaltige Mobilität für alle ermöglicht. Durch kontinuierliche Begleitforschung und enge Kooperation mit kommunalen und regionalen Akteuren soll die Plattform fortlaufend weiterentwickelt werden, um ein nutzungsorientiertes und effizientes Verkehrsangebot sicherzustellen.

Geplant ist zudem die Einführung eines landesweiten On-Demand-Tarifs in NRW, der im Laufe des Jahres 2026 in die bestehenden Tarifsysteme integriert werden soll. Die Entwicklung dieses Tarifs liegt in der Verantwortung des Kompetenzcenters Marketing NRW (KCM) und erfolgt in Abstimmung mit den Verkehrsverbünden und Verkehrsgemeinschaften.