On-Demand-Verkehr

Veröffentlicht am 16.03.2021

Flexible Bedienungsformen wie Anruf-Sammeltaxen und Taxibusse sind im kommunalen ÖPNV seit vielen Jahren weit verbreitet. Sie zählen hierzulande mittlerweile zum Instrumentarium einer effizienten ÖPNV-Gestaltung in ländlichen Regionen oder städtischen Vororten.

Aktuell werden unter dem Namen „On-Demand-Verkehr“ neue flexible Angebote geschaffen, die sich an den bisherigen flexiblen Bedienungsformen orientieren, aber eine digitale Buchungsmöglichkeit nutzen sowie Algorithmen für die Fahrtenplanung verwenden.

Ausgangslage


On-Demand-Angebote verkehren vollständig flexibilisiert:

  • es gibt keine Fahrplan- und keine Linienwegbindung,

  • Fahrten werden nur nach Bedarf durchgeführt,

  • Kleinbusse oder Pkw kommen zum Einsatz.

Die Angebote sind weitgehend digitalisiert:

  • die Systeme verwenden eine digitale Buchungsmöglichkeit (i.d.R. kommen Smartphone-Apps zum Einsatz), nach einmaliger Registrierung erfolgt die Buchung, hierzu geben die Kund*innen ihren Start- und Zielort ein, die Personenzahl und ggf. das vorhandene Ticket,

  • die Fahrtwünsche der Kund*innen werden über einen Algorithmus miteinander kombiniert („Ride-Pooling“), per App oder telefonisch erhält der Fahrgast den Fahrpreis, den Abholort und die Abholzeit,

  • die Bezahlung der Fahrt erfolgt bargeldlos, meist über die in der Smartphone-App hinterlegten Zahlungsmöglichkeiten oder selten auch im Fahrzeug,

  • „Haltestellen“ bestehen virtuell, sind also nur in der Smartphone-App sichtbar, wodurch eine sehr große Anzahl an Start- und Zielpunkten möglich wird.

Im Optimalfall ergänzen On-Demand-Verkehre das vorhandene ÖPNV-Angebot in Stadtteilen, in nachfrageschwachen Zeiten oder in der Fläche. Gerade für die Feinerschließung in Stadtteilen und die Bedienung der letzten Meile im ländlichen Raum können On-Demand-Verkehre einen Beitrag zur Mobilitätssicherung leisten.

Preislich bewegen sich die Angebote in der Regel zwischen dem Nahverkehrs- und dem Taxitarif.

Akteure


Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Projekten unterscheiden. Zum einen Projekte, die unter Beteiligung von Akteuren des ÖPNV (Verkehrsunternehmen, Verbünde, Aufgabenträger) organisiert werden. Zum anderen Projekte, die durch die Industrie (Anbieter von Ride-Pooling-Systemen) vorangebracht werden.

In NRW sind bereits in mehreren Großstädten On-Demand-Verkehre gestartet, die Bestandteil des Verkehrsangebotes eines kommunalen Verkehrsunternehmens sind, z. B. in Duisburg, Wuppertal, Köln und Bielefeld. Wesentliche Merkmale sind:

  • Die Verantwortung für Fahrpersonal, Betriebsführung und Fahrzeuge liegt entweder bei den Verkehrsunternehmen selbst oder es bestehen Kooperationen mit On-Demand-Anbietern oder lokalen Taxiunternehmen.

  • Die Verkehre sind in den vor Ort gültigen Tarif integriert.

  • Die Gestaltung der Fahrzeuge greift das Logo des Verkehrsunternehmens auf.

  • Aus genehmigungsrechtlichen Gründen sind als Ein- und Ausstiegspunkte Haltestellen festgelegt. Sie liegen in den meisten Fällen nur virtuell vor. Dadurch ist eine große Anzahl von Halten möglich, so dass die Fußwege zur nächsten Haltestelle sehr kurz sind.

  • Die notwendige Software (Hintergrundsystem, Fahrgast-App, Disponenten-App bzw. Weboberfläche sowie Fahrer*innen-App) bringen On-Demand-Anbieter mit. Die Software wird aber auch von Unternehmen angeboten, die ausschließlich Software für Drittanwendende entwickeln und vertreiben.

Neben den in das Nahverkehrsangebot eingebundenen On-Demand-Verkehren gibt es auch kommerzielle Angebote in NRW. Diese On-Demand-Verkehre werden durch Anbieter von Ride-Pooling-Systemen koordiniert und betrieben. Merkmale sind u.a., die Gestaltung der Fahrzeuge und Smartphone-Apps im Design des Anbieters und die Anwendung eines unternehmenseigenen Tarifs.   

Im ländlichen Raum sind ebenfalls On-Demand-Angebote eingerichtet oder befinden sich in der Planung. Das Land NRW fördert den Ausbau von On-Demand-Verkehren im ländlichen Raum. Im Rahmen der ÖPNV-Offensive stehen hierfür bis 2031 insgesamt 120 Millionen Euro zur Verfügung. Als ersten Baustein hat das Ministerium für Verkehr des Landes NRW den Landeswettbewerb „Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“ ausgerufen. 15 Projekte wurden ausgewählt, die von der Landesförderung profitieren, beispielsweise in Münster-Hiltrup und Gronau. Durch die Modellprojekte sollen Wege gefunden werden, wie in eher ländlich geprägten und suburbanen Räumen ÖPNV-Angebote neu geschaffen oder die bestehenden Angebote attraktiver werden können.

Das "Zukunftsnetz Mobilität NRW" unterstützt Städte, Gemeinden und Kreise bei der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte, so auch bei der Einführung von On-Demand-Verkehren. Es stehen drei regionale Koordinierungsstellen dienstleistend und beratend zur Verfügung, um die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen und konkrete Projekte anzustoßen.

Ausgewählte Projekte in NRW


Beispiele für Projekte in Großstädten:

Als bundesweit erstes Verkehrsunternehmen hat die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) einen On-Demand-Verkehr mit Smartphone-App eingerichtet. Das Pilotprojekt MyBus ist im Oktober 2017 in vier Duisburger Stadtteilen gestartet und war zunächst für drei Jahre angelegt. 2019 wurde das Projekt auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Im Herbst 2020 ist das Projekt um ein Jahr verlängert worden. Die MyBus-Kleinbusse sind in der Schwachverkehrszeit am Wochenende im Einsatz. Entwickelt wurde das Hintergrundsystem von dem Berliner Technologieunternehmen door2door. Der Preis für eine Fahrt richtet sich nach einem durch den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) festgelegten On-Demand-Tarif. Er wird nach Luftlinie berechnet. Ermäßigungen gibt es u.a. für Abo-Kund*innen und für Mitfahrende. 

Einen vergleichbaren Service bietet die SWK Stadtwerke Krefeld AG seit Sommer 2019 mit mein SWCar täglich abends ab 18 Uhr und nachts. Plug-In Hybridfahrzeuge, gebaut nach dem Vorbild der Londoner Taxen, holen die maximal sechs Fahrgäste an einem der rund 20.000 virtuellen Haltepunkte in ganz Krefeld ab und bringen sie zum gewünschten Zielort. Für die Durchführung der Fahrten kooperiert die SWK mit einem Taxiunternehmen. Die Smartphone App wurde von der Frankfurter Firma ioki entwickelt, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn für On-Demand-Verkehre.

In Wuppertal setzt die WSW mobil seit Herbst 2020 ebenfalls elektrisch angetriebene „London Taxi“ ein. Unter dem Namen holmich! App werden drei Stadtbezirke täglich von morgens bis abends, am Wochenende auch nachts bedient. Die Software der Hol mich! App wurde von ViaVan, einem Anbieter von Ride-Pooling Services und Software-Lösungen, entwickelt. Das Unternehmen übernimmt auch den Betrieb der Flotte. Der neue On-Demand-Verkehr der WSW mobil ist Teil des Forschungsprojekts „Bergisch Smart“. Das durch das Land NRW geförderte Projekt läuft bis Ende 2021. Auf Grundlage der in Wuppertal gemachten Erfahrungen wollen die Projektpartner digitale Mobilitätslösungen entwickeln, die auf andere Kommunen übertragbar sind.

Im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) basieren die Kosten für die Fahrt mit einem durch ein Verkehrsunternehmen organisierten On-Demand-Verkehr auf einem eigens hierfür entwickelten Tarif. Der berechnete Gesamtpreis für eine Fahrt ergibt sich aus einem Grundpreis und möglichen Ab- und Zuschlägen. Der Grundpreis ist abhängig von der Länge der Strecke (Luftlinie). Abschläge erhalten Abo-Zeitkarten-Inhaber*innen, Schwerbehinderte und Kinder (-25 %) sowie Mitfahrende (-50 % für den 1. Mitfahrenden, -75 % für den 2. und 3. Mitfahrenden, -100 % für den 4. und 5. Mitfahrenden). Auch Boni und Sonderangebote im Rahmen von Rabattaktionen können die Verkehrsunternehmen gewähren. Zuschläge können bei besonderen Verkehren auf den Grundpreis aufgeschlagen werden (z. B. zu Zeiten von Messen, Silvester oder Karneval).

In Köln ist das zunächst für vier Jahre angelegte On-Demand-Projekt Isi gestartet. Für die Testphase wurden drei Stadtbereiche ausgewählt. In zwei Stadtbereichen, in denen Defizite bei der Feinerschließung bestehen, verkehrt Isi tagsüber außerhalb der Hauptverkehrszeit (8 - 15 Uhr). Dieses Angebot richtet sich vorrangig an Senior*innen. Außerdem sind die „London Taxis“ in der Kölner Innenstadt ergänzend zum bestehenden ÖPNV-Angebot im Einsatz, und zwar in der Schwachverkehrszeit am Wochenende. Isi kann sowohl über die Smartphone-App als auch telefonisch gebucht werden. Das Angebot ist in den regulären Tarif des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) integriert (Abokund*innen können tagsüber kostenlos fahren, Gelegenheitskund*innen zahlen den normalen VRS-Tarif). Auch NRW-Tickets können tagsüber für die Fahrt genutzt werden. Nachts wird für alle Fahrgäste ein Zuschlag erhoben. Die Tickets werden über die Smartphone-App abgerechnet oder bargeldlos im Fahrzeug bezahlt. Als Partner hat die KVB ViaVan an der Seite.

Beispiele für On-Demand-Verkehr im städtischen Raum in NRW, die Bestandteil des Verkehrsangebots eines Verkehrsunternehmens sind:

Name Stadt Verkehrsunternehmen Start
myBus Duisburg Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) Oktober 2017
SWCAR Krefeld SWK Stadtwerke Krefeld AG August 2019
Anton Bielefeld moBiel Oktober 2019
Revierflitzer Oberhausen Stadtwerke Oberhausen GmbH (STOAG) Juni 2020
Hol mich! App Wuppertal WSW mobil Oktober 2020
Isi Köln Kölner Verkehrsbetriebe AG (KVB) Dezember 2020
Shuttle - Holt dich ab Gütersloh Stadtwerke Gütersloh Dezember 2020
Bussi Essen Ruhrbahn März 2021

In Düsseldorf verkehrt seit Dezember 2019 ein On-Demand-Angebot in der Innenstadt und angrenzenden Stadtbezirken. Anders als die oben vorgestellten Projekte ist in Düsseldorf das On-Demand-Angebot des privaten Ride-Pooling-System-Anbieters CleverShuttle unterwegs. Der Fahrpreis richtet sich daher nicht nach dem im VRR für On-Demand-Verkehre gültigen Tarif sondern nach dem Tarif des Anbieters. Zum Einsatz kommen die CleverShuttle-App und Fahrzeuge im CleverShuttle-Design. Die Stadtwerke Düsseldorf unterstützen CleverShuttle bei der Etablierung und Durchführung des Angebots.

Beispiele für Projekte im ländlichen Raum:

Seit September 2020 ist im Süden von Münster das On-Demand-Angebot LOOP unterwegs. Das Pilotprojekt wird durch das Land NRW gefördert (im Rahmen des Landeswettbewerbs „mobil.nrw – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“) sowie durch die Stadt Münster. Betreiber sind die Stadtwerke Münster. Das Konzept und die Routensteuerung wurden von door2door entwickelt. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch die Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Das Angebot ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Der Bedienungszeitraum orientiert sich wochentags an den ÖPNV-Betriebszeiten (5 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts. Am Wochenende findet die Bedienung rund um die Uhr statt. Eingesetzt werden London-Taxen. LOOP ist in den örtlichen Tarif integriert, kann also mit einem gültigen Abo oder Ticket des WestfalenTarifs ohne Aufpreis genutzt werden. Tickets sind über die Smartphone-App oder an den üblichen Verkaufsstellen im Stadtgebiet erhältlich.

In der Stadt Gronau ist die Umstellung des Stadtbusverkehr auf ein digitales und nach Bedarf gesteuertes Angebot geplant. Das Angebot soll als Zu- und Abbringer zum Schienenpersonennahverkehr bzw. zu Regionalbus-Achsen mit dichter Bedienung fungieren, zusätzliche Stadtbereiche erschließen, zu ausgeweiteten Betriebszeiten verkehren und mit weiteren ergänzenden Mobilitätsangeboten verknüpft werden z. B. an Mobilstationen. Für das Projekt werden barrierefrei zugängliche und vollelektrisch betriebene Kleinbusse eingesetzt. Die Buchung erfolgt per App, über eine Website oder per Telefon. Das Projekt „On-Demand-Verkehr in Gronau“ läuft insgesamt drei Jahre und wird im Rahmen des Landeswettbewerbs „mobil.nrw – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“ gefördert.

Weitere Beispiele für On-Demand-Angebote, die im ländlichen Raum realisiert werden sollen, sind „On-Demand-Ridepooling Höxter“, „Wir-4-Mobil“ der vier Kommunen Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort, Moers und Rheinberg im Kreis Wesel und ein On-Demand-System in Wiehl im Oberbergischen Kreis.

Probleme und Aufgaben


Die Zahl der digitalisierten On-Demand-Verkehre nimmt vor allem in Städten und in Stadt-Umland-Räumen stetig zu. Sie werden von den dort ansässigen Verkehrsunternehmen vorangetrieben. Im ländlichen Raum trägt insbesondere die ÖPNV-Offensive des Landes NRW dazu bei, On-Demand-Angebote zu entwickeln.

Die derzeit in NRW laufenden On-Demand-Angebote sind zunächst befristet angelegt. Als Pilotprojekte bieten sie die Möglichkeit, während der Laufzeit Anpassungen im Angebot vorzunehmen (z. B. Veränderung des Bedienungsgebietes oder der Betriebszeit). So werden verschiedene Angebotsformen getestet und zunächst Erfahrungen gesammelt.

Um den Einsatz neuer Bedienmöglichkeiten zu evaluieren, hat das Kompetenzcenter Digitalisierung (KCD) den Auftrag erhalten, eine „Potenzialanalyse Ridepooling Ruhrgebiet“ durchzuführen. Auf diese Weise sollen sinnvolle Ergänzungen des ÖPNV identifiziert und Handlungsempfehlungen ausgearbeitet werden. Die Handlungsempfehlungen sollen der Politik als Entscheidungsgrundlage dienen, wie Ridepooling-Dienste in Zukunft eingesetzt werden können und welche Rahmenbedingungen für die Umsetzung in NRW geschaffen werden sollten. Die Veröffentlichung der Ergebnisse wird in 2022 erwartet.

Ein großer Vorteil gegenüber den herkömmlichen flexiblen Bedienungsformen wie AST oder TaxiBus ist bei den neuen On-Demand-Angeboten der hohe Grad der Digitalisierung. Er ermöglicht kurze Dispositionszeiten und effektives Ride-Pooling. Durch die universelle Verfügbarkeit von Smartphones wird die Kommunikation mit dem On-Demand-Anbieter erleichtert und auch junge Menschen („digital natives“) angesprochen.

Nachteilig sind die Implementierungskosten, die für Hintergrundsystem, Fahrgast-App und Fahrer*innen-App zunächst investiert werden müssen. Auch entstehen im Gegensatz zu AST- und TaxiBus-Verkehren, die in der Regel Fahrzeuge des Taxen- und Mietwagengewerbes nutzen, Kosten für die Anschaffung von eigenen Fahrzeugen für den On-Demand-Verkehr. Durch den im Vergleich zum Taxitarif geringeren Fahrpreis, müssen die Einnahmen über das Ride-Pooling mit möglichst hoher Auslastung der Fahrzeuge erzielt werden. Wesentlich hierfür ist ein gutes Marketing und ein einfacher Zugang zum Angebot. Meist sind nur große Verkehrsunternehmen in der Lage, digitale On-Demand-Verkehre anzubieten. Für den ländlichen Raum bietet die Förderung durch das Land NRW im Rahmen der ÖPNV-Offensive eine Möglichkeit zur Implementierung neuer Angebote.

Sinnvoll sind On-Demand-Angebote, wenn sie eine attraktive Alternative zum privaten Pkw sind und den klassischen ÖPNV ergänzen. In solchen Fällen bieten On-Demand-Verkehre die Möglichkeit, insbesondere Zubringerverkehre zum ÖPNV mit Bussen und Bahnen effizienter zu organisieren und so die gesamte Wegekette besser abzudecken. Der gesamte ÖPNV kann damit an Attraktivität gewinnen.

Kommunale Aufgabenträger müssen entscheiden, ob sie die Steuerung der On-Demand-Verkehre als Teil der Daseinsfürsorge ausgestalten wollen. Sie sind dann an deren Organisation selbst beteiligt oder über die Verbünde und Verkehrsunternehmen. Oder sie überlassen die Einführung von On-Demand-Angeboten dem Markt, also kommerziellen Anbietern von Ride-Pooling-Systemen.

Es ist in Kürze zu erwarten, dass grundlegende Änderungen des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) in Kraft treten werden. Ziel der Gesetzesnovellierung ist unter anderem die Schaffung rechtlicher Grundlagen für neue Bedienformen im Bereich bedarfsgesteuerter Ride-Pooling-Angebote, die auch On-Demand-Verkehre genannt werden. Dazu werden sowohl eine neue Form des Linienverkehrs innerhalb des ÖPNV (§ 44 PBefG - Linienbedarfsverkehr) als auch eine neue Form des Gelegenheitsverkehrs außerhalb des ÖPNV (§ 50 PBefG - gebündelter Bedarfsverkehr) in das PBefG eingeführt.

Als Linienbedarfsverkehr werden Verkehre verstanden, die Fahrgäste auf vorherige Bestellung innerhalb eines festgelegten Bediengebiets und zu festgelegten Bedienzeiten, aber ohne festen Linienweg, zwischen bestimmten Einstiegs- und Ausstiegspunkten befördern. Es gelten dabei die ÖPNV-Tarife und -Bedingungen, die von den kommunalen Aufgabenträgern festgelegt werden. Dabei kann ein Zuschlag je Fahrt erhoben werden.

Diese Linienbedarfsverkehre sollen den ÖPNV ergänzen, verdichten oder ggf. ersetzen, insbesondere im ländlichen Raum bzw. in Randbezirken der Ballungsräume, wo die Nachfrage im Tagesverlauf stark schwankt oder generell niedrig ist. Aufgrund der Zuordnung der Linienbedarfsverkehre zum ÖPNV sind diese auch Teil der Daseinsvorsorge. 

Bei den gebündelten Bedarfsverkehren handelt es sich um privatwirtschaftliche Angebote, die außerhalb des ÖPNV das Verkehrsangebot ergänzen. Auf vorherige Bestellung kann ein Fahrtwunsch - meist über eine webbasierte Plattform – mit gleichgerichteten anderen Fahrtwünschen entlang ähnlicher Wegstrecken gebündelt werden. Dieses digitalbasierte Verkehrsangebot darf ausschließlich auf vorherige Bestellung fahren, es unterliegt nicht der Betriebs- und Beförderungspflicht und hat grundsätzlich auch keine Pflicht zur Rückkehr zum Betriebssitz. Um die öffentlichen Verkehrsinteressen vor Ort zu schützen, erhalten die Kommunen als Genehmigungsbehörden die notwendigen Steuerungsmöglichkeiten.

Mit diesen neuen Rechtsgrundlagen werden die Anforderungen an die On-Demand-Verkehre eindeutig und rechtssicher geregelt. Zusätzlich bleiben auch Möglichkeiten für die Genehmigung und Erprobung ganz neuer Verkehrsformen erhalten, die in der Zukunft entwickelt werden und ggf. auch nach Einführung der genannten neuen On-Demand-Verkehrsformen nicht eindeutig einer Verkehrsart zugeordnet werden können (§ 2 Absätze 6 oder 7 PBefG). Grundsätzlich bedarf jede entgeltliche oder geschäftsmäßige Personenbeförderung der Genehmigung.