Bahnhofsoffensive (MOF)

Veröffentlicht am 07.07.2021

Seit dem Jahr 2000 sorgt die Modernisierungsoffensive für Bahnhöfe (MOF) dafür, dass die Bahnhöfe in NRW schön, sicher und barrierefrei sind. Das gilt nicht nur für die großen Hauptbahnhöfe, sondern auch für die kleinen Haltepunkte.

Ein einladender Bahnhof ist das beste Aushängeschild für den Schienenpersonennahverkehr. Nachdem zunächst viele große Bahnhöfe modernisiert wurden, folgten auch die kleineren Bahnhöfe. Die Bahnhofsoffensive entstand im Jahr 2000 aus der Zusammenarbeit des Landes NRW mit der DB Station & Service AG. Die Modernisierung bezieht sich auf Zustand und Ausstattung der Bahnsteige, die Zu- und Abgangswege der Bahnsteige sowie die Empfangsgebäude.

In einem ersten Schritt wurden bis 2010 bereits knapp 90 Bahnhöfe modernisiert (MOF 1). Ein zweiter Schritt (MOF 2), der inzwischen ebenfalls weitgehend umgesetzt ist, umfasst 120 Bahnhöfe. Über 50 weitere Bahnhöfe werden in einer dritten Vereinbarung bis etwa 2023 modernisiert (MOF 3).

Darüber hinaus profitieren über 50 Bahnhöfe auf den Außenästen des Rhein-​Ruhr-Express (RRX) von Modernisierungsmaßnahmen. Weitere Bahnhöfe in NRW sind in zusätzliche Förderprogramme des Landes und des Bundes einbezogen.

Ausgangslage


Zu Beginn der Modernisierungsoffensive wurden die Bahnhöfe der ersten Realisierungsstufe (MOF 1) entsprechend ihrer verkehrlichen Bedeutung Bahnhofskategorien zugeordnet, für die mit allen Beteiligten einheitliche Ausstattungsstandards für Stationen in Nordrhein-​Westfalen festgelegt wurden. Die konkreten Maßnahmen an den ausgewählten Stationen ergaben sich aus einem Vergleich zwischen der vorhandenen Bahnhofsausstattung und den festgelegten Ausstattungsstandards. Auf dieser Grundlage wurden die erforderlichen Modernisierungsmaßnahmen für jede Station abgeleitet und geplant.

Die Maßnahmen umfassten den barrierefreien Ausbau (Erhöhung der Bahnsteige, Rampenanlagen, Aufzüge, Personenüber-​ und -​unterführungen, taktile Leitsysteme) sowie eine deutliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität (Neubau/Modernisierung der Ausstattungselemente, Bahnsteigdächer, Beleuchtung, Wegeleitungen und Informationstechnik).

Um ein geschlossenes Erscheinungsbild der Stationen entlang einer Strecke zu erreichen und "Flickenteppiche" aus vielen einzelnen Maßnahmen zu vermeiden, wurden die Bahnhöfe bewusst streckenbezogen ausgewählt. Darüber hinaus wurden in Einzelmaßnahmen im Rahmen der MOF 1 weitere Stationen renoviert.

Die 2008 zwischen der Landesregierung und der Deutschen Bahn vereinbarte zweite Realisierungsstufe (MOF 2) umfasste Maßnahmen an zunächst 108 weiteren Bahnhöfen. Aufgrund geringerer Kosten bei der Umsetzung von MOF 2 konnten weitere Bahnhöfe mit hohem Sanierungsbedarf in das Programm aufgenommen werden. Die Maßnahmen an den Bahnhöfen umfassen insbesondere den barrierefreien Ausbau und die Erneuerung der Beleuchtung und Beschallungsanlagen. Im Rahmen der MOF 2 werden insgesamt 120 Bahnhöfe modernisiert.

Im Jahr 2016 ist eine dritte Modernisierungsoffensive (MOF 3) vereinbart worden. Insgesamt wurden zunächst 35 Bahnhöfe ermittelt, die im NWL und VRR modernisiert werden sollen. Inzwischen ist die MOF 3 um 17 Bahnhöfe im NVR erweitert worden. Die Maßnahmen an den 52 Bahnhöfen sehen den Ausbau der Barrierefreiheit, die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Informationen für die Reisenden vor.

Zwischen dem Verkehrsministerium NRW, DB Station & Service und den SPNV-​Zweckverbänden ist 2017 eine Rahmen- und Finanzierungsvereinbarung für 53 Bahnhöfe auf den Außenästen des Rhein-​Ruhr-Express (RRX) unterzeichnet worden. Ziel ist, dass die neuen Fahrzeuge des RRX im Vorlaufbetrieb auch die Stationen auf den Zulaufstrecken anfahren können. Dafür müssen die Bahnsteige auf eine Länge von 215 Metern und auf eine Höhe von 76 Zentimetern gebracht werden. Außerdem sollen die Stationen barrierefrei gestaltet und die Aufenthaltsqualität durch eine moderne Ausstattung spürbar verbessert werden.

Akteure


Das Verkehrsministerium NRW trägt maßgeblich zur Finanzierung der Modernisierungsoffensive bei. Gleichzeitig hat das Verkehrsministerium NRW versucht, möglichst einheitliche Ausstattungsstandards von Bahnhöfen mit vergleichbarer Verkehrsfunktion zu erreichen.

Die DB Station&Service AG ist als Eigentümerin der Stationen verantwortlich für die Umsetzung der Modernisierungsmaßnahmen in enger Abstimmung mit allen Beteiligten des Programms.

Die in das Programm einbezogenen Strecken und Bahnhöfe werden zwischen dem Land NRW und der DB Station&Service AG in enger Abstimmung mit den Zweckverbänden ausgewählt und festgelegt. Die Zweckverbände als Aufgabenträger und Besteller der SPNV-Leistungen wirken darüber hinaus bei der Planung und Umsetzung der Bahnhofsoffensive mit. Sie bringen lokale Besonderheiten und Erfahrungen ein und koordinieren Aktivitäten der Gemeinden im Umfeld der Bahnhöfe.

Probleme und Aufgaben


In der ersten Realisierungsstufe der Modernisierungsoffensive MOF 1 wurden für 120 Mio. € zunächst 87 Stationen renoviert. Das Land stellte hierfür Fördermittel in Höhe von rund 86,5 Mio. € zur Verfügung. Die Deutsche Bahn und der Bund brachten weitere 33,5 Mio. € ein. Die MOF 1 ist vollständig abgeschlossen. Der überwiegende Anteil der Bahnhöfe ist bis 2010 modernisiert worden.

Das Kostenvolumen der Modernisierungsoffensive MOF 2 liegt bei rund 480 Mio. €. Die Landesregierung stellt rund 139 Millionen Euro bereit. Die Deutsche Bahn beteiligt sich mit 17 Millionen Euro und der Bund mit 324 Millionen Euro. Die meisten Maßnahmen an den 120 Bahnhöfen der MOF 2 sind inzwischen abgeschlossen.

Die MOF 3 umfasst insgesamt 52 Bahnhöfe. Die Realisierung der MOF3-​Maßnahmen steht hinter dem Ausbau auf den RRX-​Außenästen zurück. Der Gesamtwertumfang beträgt rd. 226 Mio. € und wird mit rd. 134 Mio. € über die drei SPNV-Aufgabenträger sowie mit rund 92 Mio. € durch den Bund mit Mitteln gemäß Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV) über die DB Station&Service AG finanziert.

Der Gesamtwertumfang für die Modernisierung an 53 Stationen auf den RRX-​Außenästen beträgt rd. 211 Mio. €. Davon trägt das Land 127 Mio. €, die drei SPNV-Aufgabenträger 55 Mio. € und die DB Station&Service AG rd. 29 Mio. € durch Eigen- bzw. LuFV - Mittel. Bis Ende 2021 sollen bereits 90 Prozent der RRX-Bahnhöfe modernisiert sein.

Insbesondere für Knotenbahnhöfe mit erheblichem Modernisierungsbedarf wie Dortmund, Duisburg oder Hagen, haben DB Station & Service, Bund, Land und die Aufgabenträger Großprojekte mit gemeinsamer finanzieller Beteiligung vereinbart.

Das „Sonderprogramm kommunale Infrastruktur ÖPNV“ wurde zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie und zur Stärkung der Zukunftsfähigkeit des Landes initiiert. Einbezogen ist u.a. auch ein Paket zur Attraktivitätssteigerung und Sicherheit an über 200 SPNV-Stationen. Maßnahmen sind z. B. Virenschutzanstriche, Installation von Automatiktüren und eine Graffiti-Offensive. Die Finanzierung in Höhe von rd. 5 Mio. € erfolgt über Mittel des Landes.

Im Rahmen des "Zukunftsinvestitionsprogramm Barrierefreiheit" (ZIP) werden bundesweit Verkehrsstationen im ländlichen Raum mit weniger als 1.000 Reisenden pro Tag barrierefrei ausgebaut. Die Finanzierung der Vorhaben übernehmen der Bund und die Länder gemeinsam. In NRW sind 12 Stationen in das Programm einbezogen.

Unter dem Namen BahnhofskonzeptPlus sind mehrere Nachfolgeprogramme des Bundes mit den Ländern und Aufgabenträgern vereinbart worden. Es umfasst u.a. das „1000-Bahnhöfe-Programm“ mit der „Förderinitiative zur Attraktivitätssteigerung und Barrierefreiheit von Bahnhöfen (FABB)“. In der FABB Säule 1 wird für Stationen bis zu 1.000 Fahrgästen am Tag ein barrierefreier Ausbau gefördert. Hiervon sollen in NRW rd. 30 Stationen profitieren. In Kombination mit Landesmitteln werden in FABB Säule 2 mittelgroße Stationen (1.000 – 4.000 Fahrgäste am Tag) barrierefrei ausgebaut. Weitere 14 Stationen aus NRW werden dabei berücksichtigt.

Eine Übersicht der in die verschiedenen Stufen der Modernisierungsoffensive und Fördermaßnahmen einbezogenen Bahnhöfe bietet das Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW (KCITF) in Form einer Grafik an.