Bahnhofsoffensive (MOF)

Veröffentlicht am 09.10.2020

Seit dem Jahr 2000 sorgt die Modernisierungsoffensive für Bahnhöfe (MOF) dafür, dass die Bahnhöfe in NRW schön, sicher und barrierefrei sind. Das gilt nicht nur für die großen Hauptbahnhöfe, sondern auch für die kleinen Haltepunkte.

Ein einladender Bahnhof ist das beste Aushängeschild für den Schienenpersonennahverkehr. Nachdem zunächst viele große Bahnhöfe modernisiert wurden, folgten auch die kleineren Bahnhöfe. Die Bahnhofsoffensive entstand im Jahr 2000 aus der Zusammenarbeit des Landes NRW mit der DB Station & Service AG. Die Modernisierung bezieht sich auf Zustand und Ausstattung der Bahnsteige, die Zu- und Abgangswege der Bahnsteige sowie die Empfangsgebäude.

In einem ersten Schritt wurden bis 2010 bereits knapp 90 Bahnhöfe modernisiert (MOF 1). Ein zweiter Schritt (MOF 2), der inzwischen ebenfalls weitgehend umgesetzt ist, umfasst knapp 120 Bahnhöfe. Rund 50 weitere Bahnhöfe werden in einer dritten Vereinbarung bis etwa 2023 modernisiert (MOF 3). Darüber hinaus profitieren rund 50 Bahnhöfe auf den Außenästen des Rhein-Ruhr-Express (RRX) von Maßnahmen im Rahmen dieses Projektes.

Ausgangslage


Zu Beginn der Modernisierungsoffensive wurden die Bahnhöfe der ersten Realisierungsstufe entsprechend ihrer verkehrlichen Bedeutung Bahnhofskategorien zugeordnet, für die mit allen Beteiligten einheitliche Ausstattungsstandards für Stationen in Nordrhein-Westfalen festgelegt wurden (Download der Broschüre Moderne Bahnhöfe, 2001). Die konkreten Maßnahmen an den ausgewählten Stationen ergaben sich aus einem Vergleich zwischen der vorhandenen Bahnhofsausstattung und den festgelegten Ausstattungsstandards. Auf dieser Grundlage wurden die erforderlichen Modernisierungsmaßnahmen für jede Station abgeleitet und geplant.

Die Maßnahmen umfassten den barrierefreien Ausbau (Erhöhung der Bahnsteige, Rampenanlagen, Aufzüge, Personenüber- und -unterführungen, taktile Leitsysteme) sowie eine deutliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität (Neubau/Modernisierung der Ausstattungselemente, Bahnsteigdächer, Beleuchtung, Wegeleitungen und Informationstechnik).

Um ein geschlossenes Erscheinungsbild der Stationen entlang einer Strecke zu erreichen und "Flickenteppiche" aus vielen einzelnen Maßnahmen zu vermeiden, wurden die Bahnhöfe bewusst streckenbezogen ausgewählt. Die Modernisierungsoffensive der ersten Realisierungsstufe (MOF 1) umfasste Bahnhöfe der folgenden Kursbuchstrecken:

  • 355 Paderborn - Holzminden

  • 386 Herford - Rahden

  • 407 Münster - Burgsteinfurt - Gronau

  • 416 Duisburg - Viersen - Mönchengladbach

  • 431 Dortmund - Unna - Lippstadt

  • 440 Siegen - Altena

  • 458 Wuppertal - Remscheid - Solingen

  • 470 Köln - Bonn-Mehlem

  • 474 (Köln-) Kierberg - Euskirchen

  • 495 Kleve - Krefeld

Darüber hinaus wurden in Einzelmaßnahmen im Rahmen von MOF 1 acht weitere Stationen renoviert.

Die 2008 zwischen der Landesregierung und der Deutschen Bahn vereinbarte zweite Realisierungsstufe (MOF 2) umfasste Maßnahmen an zunächst 108 weiteren Bahnhöfen. Die Umsetzung der Maßnahmen war für den Zeitraum 2009 bis 2015 geplant. Aufgrund geringerer Kosten bei der Umsetzung von MOF 2 konnten weitere sechs Bahnhöfe mit hohem Sanierungsbedarf in das Programm aufgenommen werden. Drei der für MOF 2 ursprünglich gewählten Bahnhöfe wurden über andere Finanzierungsinstrumente renoviert, dafür rückten weitere sechs Bahnhöfe bei insgesamt gleichem Kostenaufwand nach. Im Rahmen der MOF 2 wurden insgesamt 117 Bahnhöfe modernisiert.

Im Jahr 2016 ist eine dritte Modernisierungsoffensive (MOF 3) vereinbart worden. Insgesamt wurden zunächst 35 Bahnhöfe ermittelt, die im Rahmen von MOF 3 im NWL und VRR modernisiert werden sollen. Inzwischen ist die MOF 3 um 17 Bahnhöfe im NVR erweitert worden. Die Maßnahmen sehen den Ausbau der Barrierefreiheit, die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Informationen für die Reisenden vor.

Zwischen dem Verkehrsministerium NRW, DB Station & Service und den SPNV-Zweckverbänden ist gleichzeitig zu MOF 3 eine Finanzierungsvereinbarung zur Erstellung der Planung (Leistungsphase 3+4) für Bahnhöfe auf den Außenästen des Rhein-Ruhr-Express (RRX) unterzeichnet worden. 2017 folgte eine Rahmen- und Finanzierungsvereinbarung zum Ausbau von rund 50 Stationen auf den Außenästen des RRX. Ziel ist, dass die neuen Fahrzeuge des RRX im Vorlaufbetrieb ab 2018 auch die Stationen auf den Zulaufstrecken anfahren können. Dafür müssen die Bahnsteige auf eine Länge von 215 Metern und auf eine Höhe von 76 Zentimetern gebracht werden. Außerdem sollen die Stationen barrierefrei gestaltet und die Aufenthaltsqualität durch eine moderne Ausstattung spürbar verbessert werden.

Akteure


Das Verkehrsministerium NRW trägt maßgeblich zur Finanzierung der Modernisierungsoffensive bei. Gleichzeitig hat das Verkehrsministerium NRW versucht, möglichst einheitliche Ausstattungsstandards von Bahnhöfen mit vergleichbarer Verkehrsfunktion zu erreichen.

Die DB Station&Service AG ist als Eigentümerin der Stationen verantwortlich für die Umsetzung der Modernisierungsmaßnahmen in enger Abstimmung mit allen Beteiligten des Programms.

Die in das Programm einbezogenen Strecken und Bahnhöfe werden zwischen dem Land NRW und der DB Station&Service AG in enger Abstimmung mit den Zweckverbänden ausgewählt und festgelegt. Die Zweckverbände als Aufgabenträger und Besteller der SPNV-Leistungen wirken darüber hinaus bei der Planung und Umsetzung der Bahnhofsoffensive mit. Sie bringen lokale Besonderheiten und Erfahrungen ein und koordinieren Aktivitäten der Gemeinden im Umfeld der Bahnhöfe.

Eine Übersicht der in die verschiedenen Stufen der Modernisierungsoffensive einbezogenen Bahnhöfe bietet das Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW (KCITF) in Form einer Grafik an.

Probleme und Aufgaben


In der ersten Realisierungsstufe der Modernisierungsoffensive MOF 1 wurden für 120 Mio. € zunächst 87 Stationen renoviert. Das Land stellte hierfür Fördermittel in Höhe von rund 86,5 Mio. € zur Verfügung. Die Deutsche Bahn und der Bund brachten weitere 33,5 Mio. € ein. Die MOF 1 ist vollständig abgeschlossen. Der überwiegende Anteil der Bahnhöfe ist bis 2010 modernisiert worden.

Das Kostenvolumen der Modernisierungsoffensive MOF 2 liegt bei rund 415 Mio. €. Davon stehen aus Bundesmitteln rund 278 Mio. € bereit. Das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt 120 Mio. €. Die DB AG beteiligt sich mit rund 17 Mio. €. Die meisten Maßnahmen an den 117 Bahnhöfen der MOF 2 sind inzwischen abgeschlossen.

Die MOF 3 umfasst insgesamt 52 Bahnhöfe, die bis 2023 modernisiert werden sollen. Für die im VRR und NVR im Jahr 2016 vereinbarten 35 Projekte der MOF 3 stehen insgesamt rund 162 Mio. € zur Verfügung. Davon tragen der VRR und der NWL insgesamt 86,6 Mio. €. Die Deutsche Bahn übernimmt Kosten in Höhe von 75,2 Mio. €. Da der NVR zunächst seine verfügbaren Investitionsmittel vollständig gebunden hatte, beschränkte sich die MOF 3 zunächst auf Stationen im VRR und NWL. Im März 2017 hat der NVR den Beschluss gefasst, eine Vereinbarung zur Planung und Finanzierung von Baumaßnahmen im Rahmen der MOF 3 mit der DB Station&Service AG abzuschließen. Insgesamt investieren NVR und Deutsche Bahn rund 64 Mio. € für die Modernisierung von 17 Bahnhöfen. Die Realisierung der MOF3-Maßnahmen steht hinter dem aktuell in Planung befindlichen Ausbau auf den RRX-Außenästen zurück.

Für die Modernisierung von 53 Stationen auf den RRX-Außenästen stellt das Land Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit den drei Zweckverbänden rund 210 Mio. € zur Verfügung.

Insbesondere für Knotenbahnhöfe mit erheblichem Modernisierungsbedarf wie Dortmund, Duisburg oder Hagen, haben DB Station & Service, Bund, Land und die Aufgabenträger Großprojekte mit gemeinsamer finanzieller Beteiligung vereinbart.

Im Rahmen des "Zukunftsinvestitionsprogramm Barrierefreiheit" (ZIP) werden bundesweit Verkehrsstationen im ländlichen Raum mit weniger als 1.000 Reisenden pro Tag barrierefrei ausgebaut. Die Finanzierung der Vorhaben übernehmen der Bund und die Länder gemeinsam. In NRW sind 12 Stationen in das Programm einbezogen.