Der ÖV-Datenverbund sammelt die Nahverkehrsdaten aus ganz NRW und schafft die Basis für landesweit einheitliche Auskünfte.
Aufgabenträger, Verkehrsverbünde, Verkehrsunternehmen und weitere Dienstleistende übermitteln ihre Informationen zu Linien und Fahrplänen an den ÖV-Datenverbund. Dieser wiederum sammelt alle Daten und baut so eine Informationsbasis für Verkehrs- und Tarifauskünfte aus ganz Nordrhein-Westfalen auf. So gelangen Fahrgäste an alle wichtigen Informationen, auch wenn sie verbundübergreifend unterwegs sind.
Ausgangslage
Zur Verbesserung der Fahrplanauskunft in NRW ist im Jahr 2002 der ÖV-Datenverbund durch das Verkehrsministerium initiiert worden. Ziel war die Bereitstellung von Daten für landesweite Nahverkehrsauskünfte auf einem hohen und einheitlichen Informationsniveau. Die bei den Aufgabenträgern und Verkehrsunternehmen vorhandene heterogene Landschaft von Fahrplanauskunfts- und Datenhaltungssystemen verschiedener Systemhersteller und unterschiedlicher technischer Ausprägung sollte dabei bestehen bleiben. Da eine „verteilte Suche“ (Verteilung der Suchanfragen auf mehrere unabhängige regionale Auskunftssysteme) aufgrund der Kleinräumigkeit und der Verflechtungen der Verbundräume wenig geeignet erschien, wurde der Ansatz des „Datenpoolings“ (Tausch der Daten zwischen den Anwendern der Fahrplanauskunftssysteme) in NRW etabliert. Als Arbeitsgrundlage ist hierzu die „Handlungsanweisung zur Realisierung des landesweiten ÖV-Datenverbundes in NRW“ erstellt worden. Auf dieser Basis ist eine Organisation von regionalen Koordinierungsstellen (RKS) und einer zentralen Koordinierungsstelle (ZKS) entstanden.
Mitte 2009 ist die Zusammenarbeit der Kooperationsräume in NRW sowie das Zusammenwirken von RKS und ZKS bzgl. Aufgaben, Datenaustausch, Datenlieferung und Nutzungsbedingungen in einem Grundlagenvertrag geregelt worden. Darauf baut der anschließend abgeschlossene Servicevertrag auf, in dem Betrieb und Finanzierung der ZKS vereinbart sind.
Die Aufgaben der zentralen Koordinierungsstelle ZKS bestehen im Wesentlichen in
der Zusammenführung der bei den einzelnen RKS vorhandenen Verkehrs- und Tarifdaten zum NRW-Datenpool,
der Integration der Daten in den ÖV-Datenverbund inkl. Qualitätssicherung,
der Bereitstellung der landesweit integrierten Datenbestände für alle RKS,
der koordinierten Festlegung von Standards und Schnittstellen für die Systeme und Dienste, die im Rahmen des ÖV-Datenverbundes erforderlich sind,
die Bereitstellung der Daten aus dem ÖV-Datenverbund für DELFI (Deutschlandweit Durchgängige elektronische Fahrplaninformation) und
dem Betrieb und der Instandhaltung der erforderlichen Hard- und Software.
Die regionalen Koordinierungsstellen RKS sind verantwortlich für
die Sammlung der Fahrplan, Netz- und Tarifdaten aller im jeweiligen Kooperationsraum agierenden Verkehrsunternehmen,
die Zusammenführung und Pflege dieser Daten,
die Weiterleitung dieser Daten an die ZKS sowie
die Übergabe der durch die ZKS erstellten landesweiten integrierten Datenbestände an die Anwender im eigenen Kooperationsraum.
Akteure
Das Verkehrsministerium in NRW hat den ÖV-Datenverbund initiiert und fördert das Projekt durch finanzielle Unterstützung bei der technischen Ausrüstung (z.B. Hard- und Software).
Die ZKS ist beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr AöR (VRR) angesiedelt.
Als RKS fungieren
- im Raum Rheinland: Aachener Verkehrsverbund (AVV), Verkehrsverbund Rhein Sieg (VRS),
- im Raum Rhein-Ruhr (VRR): Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR)
- im Raum Westfalen-Lippe (NWL): Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL)

Aufbau des ÖV-Datenverbundes (Soll-Daten), eigene Darstellung
Zur Weiterentwicklung des ÖV-Datenverbundes ist der interne Arbeitskreis „ÖV-Datenverbund“ gegründet worden. Hieran nehmen Vertreter der ZKS sowie Vertreter der Zweckverbände Aachener Verkehrsverbund (AVV), Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) teil.
Die "Multimodale Drehscheibe NRW - MDD NRW“ stellt eine Erweiterung der bisherigen Zusammenarbeit innerhalb des ÖV-Datenverbundes NRW dar. Die MDD NRW ist eine Datendrehschreibe, in der inter- und multimodale Mobilitätsdaten zusammengeführt werden und über einen einzigen Zugangspunkt erreichbar sind. Es werden sowohl Daten der unterschiedlichen Mobilitätsanbieter (z. B. ÖPNV, Sharing-Angebote) als auch Daten zur Infrastruktur und Daseinsfürsorge (z. B. Haltestellenausstattung, Barrierefreiheit, Points of Interest) integriert. Je mehr Datenlieferanten sich beteiligen, desto umfangreicher wird die Datenbasis. So werden konsistente, landesweite, inter- und multimodale Auskunftssysteme geschaffen.
Stellvertretend für alle Verbundpartner, wurde die MDD NRW vom VRS umgesetzt und der ÖV-Datenverbund NRW eng bei der Initiierung, Realisierung und gemeinsamen Verstetigung beteiligt. Betrieben wird die MDD NRW seit 2025 von go.Rheinland. go.Rheinland prüft und validiert die Mobilitätsdaten aus den Bereichen SPNV/ÖPNV, Infrastrukturdaten sowie Sharing-Mobilität und stellt sie anschließend über standardisierte Schnittstellen zur Verfügung.
Probleme und Aufgaben
Die modellhafte Struktur des Zusammenwirkens zwischen RKS und ZKS hat sich im Alltagsbetrieb nach einer längeren Anlaufphase mittlerweile zu einem funktionierenden System des Datenaustauschs fortentwickelt. So wurde eine landesweite Haltestellendatenbasis (NRW-Haltestellenkataster) realisiert, was die eindeutige und zweifelsfreie Integration der Teilraumdaten aus den Regionen wesentlich verbessert hat. Das Haltestellenkataster verwendet für die Haltestellenbezeichnung eine eindeutige Nummerierung nach dem IFOPT-Standard. Jede Haltestelle in NRW besitzt so eine „Globale ID“ (auch als deutschlandweit, einheitliche Haltestellen-Identifikation/DHID bezeichnet).
Weitere organisatorische Vereinbarungen zum Datenaustauschprozess sollen kontinuierlich die Qualität der Daten verbessern. Im Projekt „NRW-Linienkataster“ wird die ZKS ein Datenbanksystem (analog zum Haltestellenkataster) mit einheitlichen Linien- und Fahrt-IDs entwickeln und aufbauen. Dadurch lassen sich zukünftig Linien- und Fahrtobjekte eindeutig und zweifelsfrei ansprechen, was positive Effekte auf viele Prozesse in den Bereichen SOLL- und IST-Datenintegration haben wird. Aktuell läuft die Zuordnung von IST- zu SOLL-Daten in der Regel noch über Abfahrts- und Ankunftszeiten der Fahrten. Während die Realisierung von Linien-IDs in NRW gute Fortschritte macht, gestaltet sich die Entwicklung im Bereich Fahrt-IDs deutlich schwieriger, da nur wenige Unternehmen bislang eindeutige Fahrt-IDs pflegen.
Die NRW-Landschaft hat mit dem ÖV-Datenverbund bewiesen, dass die landesweite Kooperation der regionalen Akteure den Kund*innen einen spürbaren Mehrwert bietet. Zudem wächst die Zahl der Anwendungen, die einen konsistenten landesweiten elektronischen Fahrplan erfordern, kontinuierlich. Beispielsweise bauen neben der landesweiten Fahrplanauskunft auch die Einnahmenaufteilung des NRW-Tarifs auf der landesweiten Datenintegration auf. Zudem ist im Bereich des elektronischen Fahrgeldmanagements (elektronisches Ticketing) eine NRW-weit abgestimmte und koordinierte Haltung von Tarifdaten (z. B. Zuordnung von Haltestellen zu Tarifgebieten) erforderlich, wozu der ÖV-Datenverbund beitragen kann. Zunehmend fordern Kund*innen zu Recht eine direkte Verknüpfung zwischen der Fahrplanauskunft, der Tarifauskunft und dem Ticketvertrieb per Internet und Smartphone. Dies ist für die große Zahl von Kooperationsraum übergreifenden Fahrten nur erreichbar, wenn eine konsistente landesweite Datenintegration vorliegt.
Bei der Integration von IST-Fahrplandaten in den landesweiten ÖV-Datenverbund wird im Gegensatz zur zentralen Lösung bei den SOLL-Daten heute ein dezentraler Ansatz verfolgt:
- VRR und VRS haben jeweils einen eigenständigen IST-Daten-Server (IDS) realisiert. Diese zwei Datendrehscheiben bereiten die durch die Verkehrsunternehmen übermittelten IST-Daten auf und stellen sie den angeschlossenen Anwendern zur Verfügung.
- Die DB liefert landesweite IST-Daten an beide Datendrehscheiben. Die anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen stellen entweder beiden IST-Datenservern oder nur dem VRR ihre IST-Daten zur Verfügung. In diesem Fall greift der VRS auf die Daten beim VRR zu.
Der Austausch aufbereiteter IST-Daten zwischen Datendrehscheiben ist aufgrund der großen Datenmengen deutlich schwieriger als der Austausch der SOLL-Daten. Durch die geplante Realisierung der Fahrt-IDs wird zukünftig die eindeutige Zuordnung von IST- zu SOLL-Daten einer Fahrt stabiler und einfacher möglich sein. Aufwändig ist auch der Austausch zusätzlicher Betriebsdaten, wie z. B. Daten zur Anschlusssicherung, Ereignismeldungen und Hinweise sowie Daten zum Zustand der Infrastruktur (z. B. die Betriebsbereitschaft von Rolltreppen und Aufzügen). Diese Daten erfordern jeweils eine gesonderte Modellierung und liegen in sehr unterschiedlicher Qualität vor. Zu einem besseren Austausch von IST-Daten werden Optimierungsmöglichkeiten erarbeitet.