Handy- und Online-Tickets

Veröffentlicht am 22.11.2018

Das eigene Handy (Handy-Ticket) oder vom Kunden selbst gedruckte Papiertickets (Online-Ticket) gewinnen zunehmend Bedeutung als neue Vertriebswege für ÖPNV-Tickets.

Das Handy-Ticket (Kauf und Anzeige der Fahrtberechtigung mit dem Smartphone) und das Online-Ticket (Kauf der Fahrtberechtigung in einem Webshop mit Papierausdruck auf einem handelsüblichen Computerdrucker) stellen Ausgabekanäle im elektronischen Ticketing dar: Die Fahrtberechtigung ist bei beiden Verfahren sowohl als elektronisch auslesbarer Barcode sowie in Grafikelementen und Text für die Sichtprüfung im Ticketdokument enthalten. Sie basieren somit auf der gleichen technischen Basis. Die Verfahren bieten damit den Vorteil, dass sie als „Brückentechnologie“ auf dem Weg zum elektronischen Ticketing sowohl elektronisch wie ein e-Ticket als auch per Sichtprüfung wie ein Papierticket auf ihre Gültigkeit hin geprüft werden können.

Ausgangslage


Beim Handy-Ticket wird für die verbreiteten Betriebssysteme für mobile Endgeräte (zzt. Android und iOS) eine Smartphone-App bereitgestellt, über die der Bestellprozess sowie die Anzeige des gekauften Tickets für Ticketprüfungen erfolgt. Vielfach haben die Verkehrsunternehmen unternehmensbezogene Apps für Informationszwecke erstellen lassen, in die die Ticketfunktionalität eines Handy-Ticket-Anbieters eingebunden ist.

Beim Online-Ticket kauft der Kunde sein Ticket wie im e-Commerce üblich am heimischen Rechner über einen Webshop und bezahlt über die verbreiteten Zahlungswege im e-Commerce (z. B. Kreditkarte, Lastschrift, Payment-Dienste wie Paypal). Das Ticket wird als PDF-Dokument empfangen und muss auf einem handelsüblichen Drucker vom Kunden ausgedruckt werden.

In manchen Räumen in NRW ist das elektronische Ticketing bereits eingeführt, in anderen Räumen ist dieser Prozess in Vorbereitung. Gerade bei regionsübergreifenden Tickets stellt dies ein Problem dar, da elektronische Tickets nur dann eingesetzt werden können, wenn sie in allen Teilräumen prüfbar sind. Dieses Problem umgehen die Vertriebswege Handy-Ticket und Online-Ticket: In Räumen, in denen das e-Ticket und seine Prüfinfrastruktur ausgerollt sind, können die Tickets anhand des aufgebrachten 2D-Barcodes nach VDV-Standard elektronisch geprüft werden. Beispielsweise können die Barcodes durch die elektronischen Einstiegkontrollsysteme, wie sie im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr weit verbreitet sind, ausgelesen werden oder die Zugbegleiter können mit ihren Lesegeräten den Barcode elektronisch einlesen. In den anderen Räumen, in denen diese Infrastruktur noch nicht aufgebaut ist, erlauben die Sicherheitsmerkmale der Tickets eine Sichtprüfung vergleichbar Papiertickets. So wächst die Ticketing-Welt zwischen Handy-, Online- und eTicket immer weiter zusammen und neue Vertriebswege können auch in Räumen umgesetzt werden, die über noch keine eTicket-Infrastruktur verfügen.

Für den Kunden bietet das Handy-Ticket den Vorteil, dass Tickets unmittelbar vor Fahrtantritt unabhängig von der anbieterseitigen Vertriebsstruktur gekauft werden können: Die Verkaufsumgebung ist für den Kunden vertraut (eigenes Smartphone), der Kaufvorgang ist unabhängig von externen Störeinflüssen (z. B. mehrere Wartende vor dem Ticketautomaten), die Zahlung erfolgt im Nachgang des Kaufs (postpaid, keine Bargeldtransaktion). Bildlich gesprochen haben die Kunden beim Hand-Ticket ihren eigenen „Fahrkartenautomaten in der Hosentasche“.

Beim Online-Ticket liegt der Vorteil darin, dass der Kaufvorgang „in aller Ruhe“ am heimischen PC vorgenommen werden kann.

Kunden benötigen für beide Verfahren kein besonderes „Trägermedium“, da der Smartphone-Besitz und der Zugang zu einem Computer mit Drucker sehr verbreitet sind.

Akteure


Online-Tickets werden bei folgenden Tarifen eingesetzt:

  • Um im NRW-Tarif einen flächendeckenden Vertrieb für RelationspreisTickets auch an Orten ohne Schienenanschluss zu ermöglichen, hat die NRW-Tariflandschaft das „OnlineTicket NRW” umgesetzt. Die PauschalpreisTickets des NRW-Tarifs (z. B. SchönerTagTicket NRW) werden über den Webshop www.ots-nrw.de vertrieben. In beiden Anwendungsfällen wird das Online-Ticket-Verfahren der DB auf Grundlage des 2D-Barcodes nach VDV-Standard eingesetzt. Damit sind mit Ausnahme der Zeitkarten und des AnschlussTicket NRW alle Produkte des NRW-Tarifs als OnlineTicket NRW verfügbar.

  • Der Online-Ticket-Shop im Verkehrsverbund Rhein-Sieg wird durch die Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) betreut. Es kommt zzt. ein Verfahren der Firma Tronet zum Einsatz.

  • Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr haben mehrere Verkehrsunternehmen einen Ticketshop für Online-Tickets realisiert, u.a. Rheinbahn (Düsseldorf) und Ruhrbahn (Essen-Mülheim).

  • Die DB verkauft Kurzzeittickets der Verbünde VRR und VRS (24-/48-Stunden- bzw. Tagestickets) als Online-Tickets zum Selbstausdruck über ihre Webseite www.bahn.de.

Mehrere städtische Verkehrsbetriebe aus NRW nehmen am Projekt HandyTicket Deutschland der Firma HanseCom teil. Über das eingerichtete Kundenkonto können Tickets für alle teilnehmenden Regionen in Deutschland erworben werden. Für NRW sind neben Verbundtickets von VRR, VRS, AVV, Fahrkarten für die Städte Münster und Bielefeld auch die PauschalpreisTickets des NRW-Tarifs (z. B. SchönerTagTicket NRW) über diesen Vertriebsweg erhältlich. Die Deutsche Bahn vertreibt über ihre App „DB Navigator“ Verbundtickets für VRR, VRS und WestfalenTarif sowie Tickets des NRW-Tarifs (Relationspreis- und PauschalpreisTickets). DB Regio hat in einer weiteren separaten App „NRW Navigator“ neben den Verbundfahrausweisen für VRR und VRS auch die PauschalpreisTickets des NRW-Tarifs als HandyTicket umgesetzt. Weitere Handy-Ticket-Lösungen setzen die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB-App), die Stadtwerke Bonn (Easy.go), die Ruhrbahn (App „ZÄPP“) oder der Raum Westfalen (WestfalenTarif-App) ein.

Probleme und Aufgaben


Das Online-Ticket kann ohne Medienbruch in einem Vorgang auch durch Neukunden recht einfach erworben werden, allerdings nur mit entsprechendem zeitlichem Vorlauf (nicht erst unterwegs „on-trip“). Der Kauf des HandyTickets bedingt vielfach die vorherige Registrierung, was die spontane Nutzung durch Erstkunden hemmt. Hintergrund für die erforderliche Registrierung sind hohe Transaktionsgebühren für Abrechnung des Ticketkaufs über die Mobilfunkrechnung bzw. das Prepaid-Guthaben in Deutschland (MNO-Billing).

Die Nutzungszahlen beider Verfahren sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, allerdings stellen sie verglichen mit der Anzahl verkaufter Papiertickets in den jeweiligen Räumen immer noch eine geringe Größe dar. Das mag unter anderem daran liegen, dass Kunden die Auseinandersetzung mit den neuen Verfahren als Aufwand betrachten, aber keinen preislichen Vorteil hierdurch erfahren. Im Gegenteil fallen die (zwar mittlerweile eher vernachlässigbaren) Online-Kosten zusätzlich beim Kunden an. Der VRS hat hierauf reagiert und zur Förderung des Vertriebswegs HandyTicket einen Rabatt von 5 bis 10% in seiner Preistafel umgesetzt.

In der zukünftigen Entwicklung ist es durchaus denkbar, dass verbliebene Papiertickets als klassische Fahrausweise aus Borddruckern oder Automaten mit einem 2D-Barcode ausgestattet werden, wodurch dann alle Vertriebswege durch elektronische Verfahren geprüft werden können. Hierdurch können Ticketing-Elemente der analogen Vertriebswelt ertüchtigt werden für die dann ausschließlich digital arbeitende Prüfinfrastruktur an Bord der Verkehrsmittel oder an Bahnsteigzugängen (Einstiegskontrollgeräte, mobile Prüfterminals).
In mehreren Projekten werden zzt. neue regionale Systeme für das Handy- und Online-Ticket umgesetzt – u.a. im VRS (KVB), im VRR (in Vorbereitung) und Westfalen (mehrere ÖSPV-Unternehmen). Diese Systeme werden die Verbreitung dieser Vertriebswege in Kürze deutlich vergrößern.

Aktuell sind alle ÖPNV-Tickets für einzelne Fahrten und Tageskarten in NRW über ein HandyTicket-Verfahren erhältlich (vgl. Tabelle). Dieser grundlegende vertriebliche Erfolg ist allerdings mit der Einschränkung verbunden, dass die Tickets nur über unterschiedliche Apps und damit unterschiedliche Nutzerkonten erworben werden können. Kurzfristig stellt sich daher die Aufgabe, die Durchlässigkeit der Vertriebssysteme deutlich zu steigern, um den „eigenen“ Kunden auch den Kauf „fremder“ Tickets zu ermöglichen. Mit dem IPSI-Standard, der von der VDV eTicket Service GmbH & Co. KG entwickelt wurde, liegt hierzu ein technisch vollständig entwickeltes Verfahren vor, das aber zzt. noch nicht produktiv genutzt wird. Eine erste Realisierung ist zwischen den Räumen Rhein-Sieg (KVB), Rhein-Main (RMV) und München (MVG) geplant.

Tarif HandyTicket Deutschland (HanseCom) easy.go (TAF) Mutti / ZÄPP (TAF) KVB-App DB Navigator WestfalenTarif-App
VRR X - X - X -
VRS X X - X X -
AVV X - - - - -
WT Münster, Bielefeld - - - X X
NRW PauschalpreisTicket - - PauschalpreisTicket PauschalpreisTicket und RelationspreisTicket -

Siehe auch: