Der RRX: Mehr Mobilität für Nordrhein-Westfalen

Veröffentlicht am 16.11.2018

Mit dem Rhein-Ruhr-Express (RRX) erhält Nordrhein-Westfalen in den kommenden Jahren eine neue Schienenverbindung, die für mehr Mobilität sorgen und die Entwicklung des Landes maßgeblich prägen wird. Sieben Linien werden die Metropolen im Rheinland, Ruhrgebiet und in Westfalen in Zukunft verbinden. Dabei soll im Zielzustand zwischen Köln und Dortmund ein 15-Minuten-Takt erreicht werden. Von fast allen Landesteilen sind dann umsteigefreie Verbindungen zur Rhein-Ruhr-Achse möglich. Damit die angestrebte enge Taktung des RRX realisiert werden kann, wird die vorhandene Schieneninfrastruktur Stück für Stück umfassend ausgebaut. Auch zahlreiche Bahnhöfe und Stationen im Land erhalten ein neues Gesicht und können künftig mit mehr Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit punkten.

Mit dem RRX gelangen Fahrgäste schneller und pünktlicher ans Ziel – und das ohne Aufpreise zum Nahverkehrstarif. Zwar wird der komplette Umbau der Schienenwege noch einige Jahre dauern, seit Ende 2018 gehen aber bereits nach und nach die neuen RRX-Züge auf die Schiene. Mit ihnen sind Reisende deutlich komfortabler und barrierefreier unterwegs.

Mehr zum Schienenprojekt und den Fahrzeugen sowie aktuelle Informationen rund um den RRX finden Sie auf den folgenden Seiten.

Ausbau der Infrastruktur

  • Um die geplante enge Taktung des RRX realisieren zu können, ist eine Reihe an Baumaßnahmen notwendig.

Die neuen RRX-Züge

  • Siemens Mobility baut derzeit Fahrzeuge für den RRX-Betrieb, die neue Standards in puncto Komfort und Barrierefreiheit setzen sollen.

Das RRX-Betriebskonzept

  • Im Vorlaufbetrieb rollen bereits seit Ende 2018 die ersten RRX-Fahrzeuge durch NRW. Das Ziel ist ein 15-Minuten-Takt zwischen Köln und Dortmund.

Der RRX-Blog

  • Ob Neuigkeiten zum RRX oder Hintergründe zum Projekt, der Blog hält Pendler und Interessierte auf dem Laufenden.

Im Folgenden werden die Hintergründe und die Schritte zur Realisierung des RRX-Projektes näher erläutert.

Ausgangslage


Nordrhein-Westfalen benötigt entlang seiner zentralen Siedlungsachse zwischen Dortmund und Köln dringend deutliche Verbesserungen der Schieneninfrastruktur zur Bewältigung der gegenwärtigen und zukünftigen Fahrgastströme. Heute führen zahlreiche betriebliche Zwangspunkte des Schienennetzes zu einer relativ geringen Betriebsstabilität des SPNV, die eine optimale Ausschöpfung des vorhandenen Nachfragepotenzials im ÖPNV behindert. Der RRX umfasst den Ausbau einzelner Eisenbahnknoten, die Verbesserung der technischen Effizienz, eine Netzergänzung und den Bau von einzelnen Ausweich- und Überholungsstrecken.

Die sieben geplanten RRX-Linien sollen über die zentrale Achse zwischen Köln und Dortmund hinaus bis Aachen, Wesel, Koblenz, Minden, Osnabrück, Kassel sowie zum Flughafen Köln/Bonn durchgebunden werden (sogenannte Außenäste) und auf diese Weise umsteigefreie Verbindungen von fast allen Landesteilen zur Rhein-Ruhr-Achse ermöglichen (siehe Abbildung des RRX-Liniennetzes). Vier der sieben Linien werden sich zu einem 15-Minuten-Takt auf der RRX-Stammstrecke zwischen Dortmund und Köln ergänzen.

Entsprechend seiner Positionierung als Premiumprodukt wird der RRX keine Vorortbahnhöfe bedienen, sondern vornehmlich die Hauptbahnhöfe und andere aufkommensstarke Bahnhöfe entlang des Liniennetzes. Die Bedienung der Zwischenhalte bleibt der S-Bahn sowie ergänzenden RegionalBahn-Linien vorbehalten.

Als Fahrzeuge sind Doppelstocktriebwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 160 km/h vorgesehen. Die neuen RRX-Fahrzeuge vom Typ Desiro HC zeichnen sich durch ein hohes Beschleunigungsvermögen aus und ermöglichen kurze Fahrgastwechselzeiten infolge der geplanten Niveaugleichheit zwischen Bahnsteig und RRX-Türschwelle.

Die Auswirkungen des RRX auf die Verkehrsnachfrage ist hoch: Durch die Verdichtung des Zugangebots, seine Beschleunigung und qualitative Verbesserung weist der BVWP 2030 eine Verlagerung von mehr als 24.000 Personenfahrten pro Werktag vom Pkw zum öffentlichen Verkehr aus.

Im Interesse eines verbesserten Angebotes mit einer hohen Fahrplanstabilität ist ein Ausbau der Schieneninfrastruktur in Teilbereichen der Kernstrecke zwingend. Mit der Einführung sogenannter Systemtrassen wird nach Fertigstellung der Infrastruktur die Belegung der Gleise zwischen Köln und Dortmund verändert. Die heute im Mischbetrieb verkehrenden, schnellen und langsamen Verkehre werden dann teilweise getrennt verkehren. Die wichtigsten Aus- und Umbaumaßnahmen sind

  • Vervollständigung der Viergleisigkeit Köln-Mülheim bis Düsseldorf-Reisholz,

  • Sechsgleisiger Ausbau von Düsseldorf-Benrath bis Duisburg-Großenbaum,

  • Punktuelle Maßnahmen in Mülheim (Ruhr), Essen-Steele, Essen-Steele Ost, Bochum, Bochum-Langendreer und Dortmund Hbf.

  • Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen an Verkehrsstationen

  • Verbesserung des Lärmschutzes.

Die Maßnahmen entlang der Außenäste konzentrieren sich auf den Ausbau und die Modernisierung der Bahnhofsinfrastruktur, die vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert werden.

Aufgrund der Streckenlänge und unterschiedlicher örtlicher Gegebenheiten ist das Projekt in sechs Planfeststellungsbereiche mit jeweils verschiedenen Planfeststellungsabschnitten aufgeteilt. Aktuelle Informationen zum Stand des jeweiligen Planfeststellungsverfahrens finden Sie hier.

Akteure


Das Bundesverkehrsministerium, das Verkehrsministerium NRW und die Deutsche Bahn AG haben im Januar 2005 eine Rahmenvereinbarung zum Rhein-Ruhr-Express unterzeichnet und damit eine verlässliche Grundlage für dessen Planung und Realisierung geschaffen.

Im Oktober 2006 legte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) eine Realisierungsstudie zum RRX vor (Kurzfassung), die unter aktiver Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Deutschen Bahn AG erarbeitet wurde. Zunächst wurde für den RRX ein Bedienungskonzept mit sechs Linien vorgesehen, die jeweils im Stundentakt verkehren. Seit der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans 2030 sind sieben RRX-Linien vorgesehen. Unmittelbar nach Vorliegen der Realisierungsstudie zum RRX haben Bund, Land Nordrhein-Westfalen und DB AG im Dezember 2006 eine Planungsvereinbarung zum RRX abgeschlossen, auf deren Grundlage die DB Netz AG mit der Vorentwurfsplanung zum Infrastrukturausbau für den RRX begonnen hat. 

Im Dezember 2008 haben Bund, Land Nordrhein-Westfalen und DB AG die Rahmenvereinbarung II zum RRX im Rahmen des Masterplan Nordrhein-Westfalen unterzeichnet. Damit werden die Planungsmittel für den RRX bis zum Vorliegen des Baurechts (Abschluss des Planfeststellungsverfahrens) sichergestellt.

Im Dezember 2014 wurde eine Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bahn AG für den ersten Planfeststellungsbereich zwischen Köln-Mülheim und Langenfeld-Berghausen sowie für Bedarfsplanmaßnahmen im Bahnhof Dortmund geschlossen. Weitere Finanzierungsvereinbarungen für andere Planfeststellungsbereiche folgten in den nächsten Jahren.

Im Dezember 2014 haben Bahn, Zweckverbände und Land die Finanzierungsvereinbarung zur Vorplanung für den Ausbau der Stationen auf den Außenästen des RRX unterzeichnet.

Weitere Regelungen zum RRX enthält die Verordnung zur Festlegung der Pauschalen nach §11 des Gesetzes über den öffentlichen Personennahverkehr in Nordrhein-Westfalen (ÖPNV-Pauschalen-Verordnung – ÖPNVP-VO) vom Dezember 2012: §2 der ÖPNVP-VO verpflichtet die SPNV-Aufgabenträger als Mittelempfänger der SPNV-Pauschale zur Sicherstellung des ÖPNV-Projekts Rhein-Ruhr-Express

  • auf das Linien- und Haltestellenkonzept des RRX zwischen Köln und Dortmund hinzuwirken und

  • bei der Vergabe von SPNV-Leistungen, die in Linien des RRX aufgehen, die Fahrzeuganforderungen des RRX zu beachten.

Zahlreiche Fahrzeuganforderungen sind in §2 der ÖPNVP-VO im Einzelnen aufgeführt, u.a. der Einsatz von elektrischen, mehrfachtraktionsfähigen Doppelstockfahrzeugen im Zweirichtungsbetrieb, die Höchstgeschwindigkeit von mindestens 160 km/h, Mindestanforderungen an die Beschleunigung und die Bestuhlung sowie Vorgaben zur einheitlichen Farbgestaltung.

Im Jahr 2013 haben das Landesverkehrsministerium und die drei nordrhein-westfälischen SPNV-Aufgabenträger den RRX-Grundsatzvertrag geschlossen, mit dem die Beschaffung von Fahrzeugen nach dem „NRW-RRX-Modell“ festgelegt wurde. Danach werden die SPNV-Aufgabenträger grundsätzlich Eigentümer der Fahrzeuge und verpachten diese dann an die Eisenbahnverkehrsunternehmen, denen nach einem Ausschreibungsverfahren der Zuschlag zur Durchführung des Betriebs erteilt wurde. Mit der getrennten Vergabe der Fahrzeugbereitstellung an einen Fahrzeughersteller nach einem Wettbewerbsverfahren (inkl. Wartung der Züge über ca. 30 Jahre) wird das Ziel verfolgt, den Wettbewerb um die Vergabe der Betriebsleistungen zu sichern, da die parallele Finanzierung der Fahrzeuge aufgrund der aktuellen Kapitalmarktsituation viele Eisenbahnverkehrsunternehmen überfordert. Zusätzlich stellt das Modell sicher, dass die Fahrzeuge einheitlichen Kriterien entsprechen und auch beim Fahrzeugeinsatz flexibel auf sich ändernde Randbedingungen (Durchtauschbarkeit der Fahrzeuge zwischen den Linien, gemeinsame Reserve) reagiert werden kann. Die neuen Züge sollen ab Ende 2018 in einem Vorlaufbetrieb sukzessive auf den heutigen RE-Linien 1, 4, 5, 6 und 11 eingesetzt werden.

Nach europaweiter Ausschreibung der RRX-Fahrzeuge hat die Firma Siemens den Zuschlag für den Bau und die Instandsetzung von 82 RRX-Zügen erhalten. Ab 2018 wird Siemens sukzessive 82 vierteilige Elektrotriebwagen vom Typ Desiro HC liefern.

Den Vorlaufbetrieb ab 2018 hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) im Februar 2014 in getrennten Losen ausgeschrieben (RE 1 und RE 11, RE 5 und RE 6 sowie RE 4). Fünf Bieter haben sich für den Betrieb der RRX-Leistungen beworben. Im Juni 2015 ist die Entscheidung über den Zuschlag gefallen:

  • Abellio Rail NRW wird das Los 1 (RE 1 und RE 11) mit rund 6,2 Millionen Zugkilometern pro Jahr betreiben. Der Betriebsstart ist für den RE 1 (Hamm – Dortmund – Düsseldorf – Köln – Aachen) im Juni 2020 und für den RE 11 (Düsseldorf – Essen – Dortmund – Paderborn – Kassel) im Dezember 2018 vorgesehen.

  • National Express wird das Los 2 (RE 5 und RE 6) mit rund 6 Millionen Zugkilometern pro Jahr sowie das Los 3 (RE 4) mit rund 2,4 Millionen Zugkilometern pro Jahr betreiben. Der Betriebsstart ist für den RE 5 (Koblenz – Köln – Düsseldorf - Wesel) im Juni 2019, für den RE 6 (Köln/Bonn Flughafen - Köln - Düsseldorf - Essen - Hamm - Minden) im Dezember 2019 und für den RE 4 (Aachen - Mönchengladbach - Hagen - Dortmund) im Dezember 2020 vorgesehen.

Nach dem vollständigen Ausbau der Infrastruktur werden die heutigen 5 großen Regionalexpresslinien mit erweitertem Betriebsprogramm in den zukünftig 7 RRX-Linien aufgehen.

Probleme und Aufgaben


Zunächst muss der RRX in der Form der Realisierungsstudie des Bundes als Infrastrukturprojekt umgesetzt werden. Die DB AG wird die Planung zum Ausbau der Infrastruktur bis zur Baureife durchführen. Hierzu zählen der Ausbau der Streckeninfrastruktur für eine RRX-spezifische Wegeleitung und der Ausbau der Stationen auf der Kernstrecke und den Außenästen. Begleitend zum Ausbau der Infrastruktur muss ein Fahrplankonzept entwickelt und in den Integralen Taktfahrplan eingebettet werden.

Mit der Interimsvergabe vieler langlaufender RE-Linien (u. a. RE1, RE5, RE6 und RE11) zum Dezember 2016 bis zum Beginn des RRX-Vorlaufbetriebs ab Dezember 2018 bietet sich die Gelegenheit, das derzeitige SPNV-Angebot in NRW an das Liniennetzkonzept des Rhein-Ruhr-Express anzunähern. Die damit verbundenen Arbeiten stehen unter der Überschrift „NRW-Takt 2017“.