Dezentraler Mobilitätsservice

Veröffentlicht am 28.03.2019

Der dezentrale Mobilitätsservice ist ein Bestandteil des Mobilitätsmanagements. Er gewährleistet, dass auch in dünn besiedelten Gegenden alle wichtigen Informationen zum ÖPNV verfügbar sind.

Mobilitätszentralen als wichtiges Element des Mobilitätsmanagements sollen helfen, das Zugangshemmnis für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel aufgrund fehlender Informationen über Linienweg, Fahrpläne und Tarife abzubauen.

Eine zentral gelegene Mobilitätszentrale wie in größeren Städten oder Ballungszentren ist in häufig dünn besiedelten Kreisgebieten kaum realisierbar. Hier würde eine Mobilitätszentrale in einer Kreisstadt nur einen Teil der Bevölkerung erreichen und so keinen flächendeckenden Service bieten können. Vor diesem Hintergrund werden im ländlichen Raum unterschiedliche, wirtschaftlich und demografisch tragbare Ansätze verfolgt, dezentrale Beratungsstrukturen aufzubauen.

Ansätze und Maßnahmen


Für eine dezentrale Beratung der Fahrgäste werden einerseits bestehende Kundencenter der Verkehrsunternehmen oder private Vorverkaufsstellen aufgewertet. Andererseits können Kooperationsverträge mit bereits bestehenden Infrastruktureinrichtungen (z. B. Tourismus- oder Bürgerbüros der Städte und Gemeinden, Postfilialen, Papier & Schreibwarenläden etc.) abgeschlossen werden. 

Die Kooperationspartner profitieren von einer Betriebskostenreduktion sowie von einem zu erwartenden höheren Kundenaufkommen. Der zusätzliche Aufwand für die Mobilitätsberatung richtet sich dabei nach den vorhandenen Personalressourcen.

Die dezentralen Beratungseinrichtungen werden als „Filialen“ über eine kreisweite Zentrale miteinander vernetzt und koordiniert. Ein entsprechendes, einheitliches Marketing sowie die Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiter soll kreisweit ein geschlossenes Erscheinungsbild sowie eine gleichwertige Beratungsqualität gewährleisten. Bereits vorhandene Beratungseinrichtungen werden entsprechend konzeptionell angepasst.

Eine ehrenamtliche Organisation der Mobilitätsberatung, Infobusse als mobile Mobilitätszentralen aber auch die Selbstbedienung an elektronischen Auskunftsterminals können den Zugang zu Informationen rund um Mobilität im gesamten Kreisgebiet erweitern.

Serviceangebote in der Praxis


In allen Kommunen der Kreise Paderborn und Höxter hat der Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (nph) Service-Center („nph-Center“) z. B. in Bürgerbüros, Tourismusbüros, Rathäusern und am Flughafen Paderborn/Lippstadt eingerichtet.

In den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford wurde 2005 als Pilotprojekt des Landes NRW ein ehrenamtlicher Mobilitätsservice eingerichtet. Die „MobilAgenten“ beraten Mitbürger per Telefon, E-Mail oder auf Veranstaltungen. Seit 2006 wird das Projekt vom Verein „MobilAgenten für den ländlichen Raum e.V.” weitergeführt. Die „mindenherforder verkehrsgesellschaft“ (mhv) unterstützt den Förderverein finanziell und steht den MobilAgenten beratend zur Seite. Bereits seit 1998 ist der „ColumBus“, die mobile Mobilitätsberatung der mhv, in den Kommunen des Verbundes unterwegs. Er steht auch den „MobilAgenten“ für eine ortsunabhängige Beratung zur Verfügung. 

Im Rahmen der Initiative „mobil4you“ der Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH (RLG) werden im Kreis Soest und im Hochsauerlandkreis mehrere, auf diesen ländlichen Raum zugeschnittene Bausteine umgesetzt, die das Mobilitätsangebot vor Ort verbessern sollen. Als ein Baustein beraten ehrenamtliche MobilitätsPaten die Bürgerinnen und Bürger bei Fragen zum ÖPNV-Angebot. Auch nach Abschluss des Projektzeitraums von 2012 bis 2016 wird das Projekt MobilitätsPaten fortgeführt.

Ausblick und Tendenzen


Die Entwicklungen zeigen, dass in Kreisen ein dezentraler, jedoch vernetzter und koordinierter Mobilitätsservice die Aufgaben einer „klassischen“ Mobilitätszentrale übernehmen kann. Allerdings ist das Serviceangebot bisher meist monomodal auf den ÖPNV ausgerichtet. Gerade in ländlichen Räumen wäre ein intermodaler Beratungsansatz geeignet. Der Individualverkehr (Pkw, Fahrrad, E-Bike, Pedelec) und damit verbundene Angebotsformen (P&R, B&R, Pendlernetz oder Car-Sharing) können den meist gebündelten Einzugsbereich des ÖPNV deutlich vergrößern.

Der kostengünstige ehramtliche Beratungsansatz rückt immer mehr in den Vordergrund. Gleichermaßen werden verstärkt mobile Beratungsstellen eingerichtet, die temporär Mobilitätsdienstleistungen vor Ort anbieten. So können einerseits die Betriebskosten im Vergleich zu einer stationär eingerichteten Beratungsstelle weiter gesenkt werden. Andererseits besteht die Gefahr, dass die Beratungsangebote durch die fehlende dauerhafte Präsenz immer weniger wahrgenommen werden. 

Weiterhin ist festzustellen, dass das Internet eine weiter steigende Bedeutung als Informationsquelle einnimmt und damit die Nachfrage nach personenbedienter Beratung verringert. Gerade die mobilen internetbasierten Lösungen für Smartphones (insbesondere die Apps) ermöglichen jederzeit und überall einen einfachen und schnellen Informationszugang. Allerdings ist gerade die alternde Bevölkerung im ländlichen Raum noch wenig internetaffin. Ziel sollte ein ausgewogenes Beratungsangebot für alle Bevölkerungsgruppen sein.


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